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Praktikum

Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit als ein Praktikum, um erste Einblicke in die Berufswelt zu erhalten. Aber auch Praktikanten sollten ihre Rechte kennen.

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03/2017

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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Für welche Praktika besteht der Anspruch auf Mindestlohn nicht?

Zum einen sieht das Mindestlohngesetz (MiLoG) vor, dass auch Praktikanten der Mindestlohn von aktuell 8,84 Euro pro Stunde zusteht. Zum anderen gibt es jedoch zahlreiche Ausnahmen. So ist etwa gesetzlich vorgeschrieben, dass Pflichtpraktika generell vom Anspruch auf den Mindestlohn ausgenommen sind. Hierzu gehören auch die im Rahmen eines dualen Studiums vorgesehenen Praxissemester und das „praktische Jahr“ im Medizinstudium.


Keinen Anspruch auf den Mindestlohn hat ebenso, wer ein „Schnupperpraktikum“ zu Orientierungszwecken absolviert, bevor er eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert. Dauert das „Schnupperpraktikum“ jedoch länger als drei Monate, wird davon ausgegangen, dass der Praktikant sich ausreichend eingearbeitet hat und Verantwortung übernehmen kann, um Anspruch auf den Mindestlohn zu haben.
Freiwillige Praktika unter drei Monaten, die begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung absolviert werden, sind ebenso vom Mindestlohn ausgenommen. Eine weitere Ausnahme bildet die sogenannte betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ) des Jobcenters, die Jugendlichen den Start in einen Ausbildungsberuf leichter machen soll. Auch keinen Anspruch auf Mindestlohn haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die keine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Überdies gelten Volontariate generell als vom Mindestlohn ausgenommen.

Was muss im Praktikumszeugnis stehen?

Dass Arbeitgebern nach der Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses ein Arbeitszeugnis zusteht, ist gesetzlich geregelt – für Praktika gilt somit dasselbe. Hieraus ergeben sich auch etliche Vorgaben in Hinblick auf Form und Inhalt, die eingehalten werden müssen. Grundsätzlich gesehen ist ein Arbeitszeugnis in elektronischer Form – etwa als E-Mail-Anhang – nicht zulässig. Der Arbeitgeber muss somit auch einem Praktikanten sein Zeugnis auf einem offiziellen Briefbogen des Arbeitgebers zur Verfügung stellen und es von Hand unterschreiben.
Was die inhaltliche Ausgestaltung des Zeugnisses betrifft, müssen Beginn und Ende des Praktikums, der Tätigkeitsbereich des Praktikanten, der Grund für das Ende des Arbeitsverhältnisses und eine Abschlussformel enthalten sein. Auf Wunsch des Praktikanten können auch Angaben über sein Verhalten und seine Leistung mit ins Zeugnis aufgenommen werden. Hier stellt sich allerdings oft die Frage, wie der Arbeitgeber bei der Benotung der Arbeit des Praktikanten vorgehen darf. Was zunächst simpel klingen mag, ist allerdings ein hochkomplexes Thema für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie auf unserer Themenseite „Beendigung und Arbeitszeugnis“.

Was ist ein Scheinpraktikum?

Kurz gesagt: Ein Scheinpraktikum ist in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis, obwohl es vom Arbeitgeber als Praktikum bezeichnet wird. Die Tätigkeit des „Scheinpraktikanten“ ist somit oft ausgestaltet wie diejenige eines Arbeitnehmers, wobei jedoch üblicherweise ein Gehalt unterhalb des Mindestlohns gezahlt wird. Einerseits ist es bei einem freiwilligen Praktikum besonders schnell möglich, in die „Scheinpraktikumsfalle“ zu tappen, da es hier im Gegenteil zum Pflichtpraktikum an übergreifenden Regelungen fehlt. Andererseits besteht in solchen Fällen seit dem Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes (MiLoG) ab einer Dauer von drei Monaten der Anspruch auf den Mindestlohn – spätestens zu diesem Zeitpunkt muss der Arbeitgeber dementsprechend handeln. Tut er das nicht, droht ihm zusätzlich rechtlicher Ärger.
Wer vermutet, dass er ein Praktikum begonnen hat, das in Wirklichkeit ein verschleiertes Arbeitsverhältnis ist, sollte nachprüfen, ob in seinem „Praktikum“ tatsächlich ein Ausbildungsziel oder die Vermittlung neuer Kenntnisse im Vordergrund steht. Ist das nicht der Fall, kann es sich lohnen, gegen seinen Arbeitgeber rechtlich vorzugehen und den Anspruch auf Mindestlohn einzuklagen. Denn in zahlreichen Gerichtsverfahren zum Thema war das Ziel des vorgeblichen Praktikums der ausschlaggebende Maßstab für die Richter. Steht ein Ausbildungszweck im Vordergrund, lieg tatsächlich ein Praktikum vor. Übernimmt der „Praktikant“ stattdessen übliche Arbeitsaufgaben, sei in Wirklichkeit von einem Arbeitsverhältnis auszugehen, ist in etlichen Urteilen zu lesen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Dauer des Praktikums. Dauert das „Praktikum“ etwa ein ganzes Jahr, kann nur schwerlich von einer vorübergehenden Tätigkeit gesprochen werden, die gemeinhin als wichtiges Kriterium eines Praktikums angesehen wird. Und auch der Ausbildungsstand des „Praktikanten“ kann ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung des Falls sein. Wer etwa einen Universitätsabsolventen einstellt, dürfte für ihn nur in wenigen Fällen eine Tätigkeit im Sinn haben, die ein Ausbildungsziel vorsieht.

Die fünf wichtigsten Fakten zum Praktikum

Begriff

Laut Definition ist ein Praktikum eine vorübergehende Tätigkeit, die zur Aneignung praktischer Berufskenntnisse bestimmt ist. Viele Personaler sehen gerne zur beruflichen Laufbahn passende Praktika im Lebenslauf, doch nicht alle Arbeitgeber setzen sie voraus.

 

Das Pflichtpraktikum

Pflichtpraktika dienen dazu, im Rahmen eines Studiums berufliche Praxiserfahrung zu erlangen. Sie werden für das erfolgreiche Absolvieren zahlreicher Studiengänge gefordert. Ihren Inhalt bestimmt üblicherweise die jeweilige Studien- und Prüfungsordnung. Das Pflichtpraktikum muss zudem vom zuständigen Prüfungsamt anerkannt werden.

Das freiwillige Praktikum

Freiwillige Praktika sind dagegen kein Bestandteil einer Ausbildung. Hier wird der Inhalt des Praktikums von der jeweiligen Firma und vom Praktikanten bestimmt. Im Gegensatz zu Pflichtpraktika besteht bei freiwilligen Praktika ein Anspruch auf Urlaub, der ab einer Dauer von einem Monat zwei Urlaubstage pro Monat beträgt.

Mindestlohn und Sozialversicherungspflicht

Seit dem 01.01.2015 können auch Praktikanten Anspruch auf Mindestlohn gemäß Mindestlohngesetz (MiLoG) haben. Allerdings sind zahlreiche Praktikumsformen aktuell hiervon ausgenommen. Auch unbezahlte Praktika sind in Deutschland noch gang und gäbe. Etliche Praktikumsverhältnisse sind sozialversicherungspflichtig.

Praktikumsvertrag

Auch bei Praktika muss ein Vertrag geschlossen werden – in diesem Fall Praktikumsvertrag genannt. Hier wird der Praktikant rechtlich wie jeder andere Arbeitnehmer auch behandelt. Allerdings muss ein Praktikumsvertrag besondere Anforderungen erfüllen. Unter anderem müssen hier neben den üblichen Formalitäten – Name und Anschrift der Vertragsparteien, Beginn und Dauer des Praktikums – die mit dem Praktikum verfolgten Lern- und Ausbildungsziele festgehalten werden. Siehe hierzu den Abschnitt: „Wichtige Gesetze zum Thema“. 

Wussten Sie schon?

Viel Aufsehen erregte der Fall eines unbezahlten „Schnupperpraktikums“ in einer bekannten Supermarktkette, in dessen Rahmen eine 19-Jährige insgesamt 1700 Arbeitsstunden absolviert hatte. Die Tätigkeit der jungen Frau bestand hauptsächlich aus einem: Regale einräumen, tagein, tagaus. Und das über acht Monate hinweg, unentgeltlich. Als sprichwörtliche Karotte vor der Nase wurde ihr am laufenden Band ein Ausbildungsverhältnis versprochen.


Der „Dauerpraktikantin“ riss schließlich der Geduldsfaden und sie ging vor Gericht. Zunächst mit Erfolg – man verpflichtete ihren Arbeitgeber zu einer Rückzahlung von 17.000 Euro. Das Arbeitsgericht Bochum argumentierte, dass der für ein Praktikumsverhältnis maßgebliche Ausbildungszweck bei der Tätigkeit der 19-Jährigen nicht im Vordergrund gestanden habe. Somit habe definitiv kein Praktikum, sondern ein Arbeitsverhältnis vorgelegen. Die Entscheidung der Richter lässt sich problemlos nachvollziehen. Schließlich ist durchaus davon auszugehen, dass wohl niemand acht Monate benötigen dürfte, um sich in eine Tätigkeit als Regaleinräumer einweisen zu lassen.

Das dicke Ende folgte allerdings noch. Denn der „Arbeitgeber“ der jungen Frau ging in Revision – und gewann in zweiter Instanz. Zwischenzeitlich war nämlich ans Licht gekommen, dass das „Praktikum“ der 19-Jährigen im Rahmen einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ, siehe oben) begonnen hatte. Und in einem solchen Fall bestehe kein Anspruch auf eine Vergütung wie bei einem Arbeitsverhältnis, so die Richter des Landesarbeitsgerichts Hamm.

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Ausgewählte Rechtstipps zum Thema „Praktikum“

Wichtige Gesetze zum Thema

  • § 22 Abs. 2 Nr. 1–4 Mindestlohngesetz (MiLoG): Hier ist aufgeschlüsselt, für welche Praktika kein Anspruch auf Mindestlohn besteht.
  • § 2 Abs. 1a Nachweisgesetz (NachwG): Welche besonderen Angaben ein Praktikumsvertrag enthalten muss, ist hier aufgeführt.
  • Die Hochschulgesetze der jeweiligen Länder und die jeweiligen Studien- und Prüfungsordnungen: Hieraus ergeben sich zahlreiche Anforderungen an Pflichtpraktika (Ablauf, Inhalt, Dauer).

Praktikanten und der Mindestlohn

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