Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Arbeitszeugnis – Pflicht zu positiven Formulierungen

Rechtstipp vom 09.05.2019
Aktualisiert am 14.05.2019
(48)
Arbeitszeugnis – Pflicht zu positiven Formulierungen
Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Enthält das Arbeitszeugnis Formulierungen, die unzulässig sind, ist ein Konflikt vorprogrammiert.
  • Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.
  • Der Mitarbeiter muss den Arbeitgeber dazu auffordern, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu erstellen. Ansonsten erhält er nur ein einfaches Arbeitszeugnis.
  • Arbeitgeber sind zur sogenannten „Wohlwollenspflicht“ verpflichtet.
  • Für die Beurteilungen im Arbeitszeugnis existiert eine eigene Zeugnissprache.

Wer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Gemäß § 109 Gewerbeordnung (GewO) hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieser Anspruch gilt sowohl für Praktikanten und Werkstudenten als auch bei internem Abteilungswechsel oder nach einer Kündigung für alle seit Anfang 2003 bestehenden Arbeitsverhältnisse. Ansonsten richtet sich der Anspruch nach dem vergleichbaren § 630 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). 

Dabei sollten Arbeitnehmer wissen, dass sich dieser Anspruch nur auf ein einfaches Arbeitszeugnis bezieht. Dieses enthält neben den allgemeinen Angaben zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses noch eine detaillierte, wertfreie Tätigkeitsbeschreibung.

Anders verhält es sich bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Neben den obigen Angaben aus dem einfachen Zeugnis muss der Arbeitgeber auch eine Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers erbringen. 

Besteht eine Pflicht zu positiven Formulierungen?

Diese Beurteilungen bergen ein hohes Konfliktpotenzial. Jährlich werden über 30.000 Prozesse über Zeugnisinhalte geführt. Denn für Arbeitgeber gilt die sogenannte „Wohlwollenspflicht“. Das bedeutet aber nicht, dass dem Arbeitnehmer auf jeden Fall ein gutes Arbeitszeugnis zusteht. 

„Wohlwollen“ meint, dass das Zeugnis keine Informationen enthalten darf, die die Suche des Mitarbeiters nach einer neuen Tätigkeit erschwert. Zudem ist es Arbeitgebern auch nicht erlaubt, Behauptungen bzw. Interpretationen und Vermutungen über das Verhalten oder die Leistung des Mitarbeiters aufzuführen. 

Sind Negativaussagen zulässig?

Arbeitgeber müssen selbst eine kritische Beurteilung positiv formulieren. Dennoch gibt es für Vorgesetzte viele Möglichkeiten, den zunächst offensichtlich positiven Bewertungen eine negative Bedeutung beizumessen. Vielen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Rechtsanwälten ist dies unter dem Begriff „Geheimcodes“ geläufig. Doch vorsichtig: In der Vergangenheit haben Gerichte Formulierungen wie „Der Arbeitnehmer verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen“ oder „Sie war sehr tüchtig und in der Lage, ihre eigene Meinung zu vertreten.“ für unzulässig erklärt. 

Eine negative Aussage kann auch am Ende des Zeugnisses, in der Gesamtbewertung enthalten sein. Enthält das Arbeitszeugnis Formulierungen wie „Er/Sie erledigte seine/ihre Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit“ oder „Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt“ entspricht das in den meisten Fällen lediglich einer Note 4.

Arbeitnehmer können eine „durchschnittliche“ Bewertung mit der „Note 3“ verlangen. Diese verdeutlicht etwa die Aussage, dass die Aufgaben „stets zur Zufriedenheit“ des Arbeitgebers erfüllt wurden. Im Falle einer schlechteren Note muss der Arbeitgeber die Gründe dafür im Streitfall beweisen. Umgekehrt muss der Arbeitnehmer den Beweis für eine bessere Benotung als mit „Note 3“ erbringen.

Wie kann man gegen ein Arbeitszeugnis vorgehen?

Der Arbeitnehmer hat den Anspruch auf ein vollständiges und richtiges Arbeitszeugnis. Ist dies seiner Meinung nach nicht der Fall, sollte man die Arbeitszeugnisformulierungen von einem Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen. Nur durch das Einfügen von kleinen Wörtern oder sogar Leerstellen kann ein Satz eine ganz andere Bedeutung bzw. Bewertung erhalten. Ohne spezielle Kenntnisse ist es schwierig, diese „Codes“ zu finden.

Sollte der Arbeitgeber eine Zeugniskorrektur ablehnen, kann der Arbeitnehmer eine Zeugnisberichtigungsklage erheben. Die Frist dafür beträgt drei Wochen nach dem Erhalt des Arbeitszeugnisses. Zudem sollten Arbeitnehmer die gesetzliche Verjährungsfrist beachten. Diese endet ausgehend vom Jahr des Zeugniserhalts nach drei Jahren zum Ende des entsprechenden Jahres.

(COL)

Foto : ©Shutterstock.com/Rido


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Rechtstipps zum Thema

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.