Abfindungsrechner

Auch wenn es Probleme zwischen dem Arbeitgeber und seinem Mitarbeiter gibt, ist eine Beendigung des Dienstverhältnisses mittels Kündigung gar nicht so einfach. Das deutsche Arbeitsrecht verhindert grundsätzlich, dass ein Arbeitnehmer einfach so seinen Job verlieren kann. Vielmehr benötigt der Arbeitgeber in der Regel einen Grund für eine Kündigung, sofern das Kündigungsschutzgesetz - KSchG - einschlägig ist. In diesem Zusammenhang kommt es meistens bei einer betriebsbedingten Kündigung bzw. bei einem Vergleich im Kündigungsschutzprozess zur Vereinbarung von Abfindungen, sog. Entlassungsabfindungen.

Viel einfacher ist es, dem unerwünschten Angestellten einen Aufhebungsvertrag vorzulegen. Hier einigen sich die Parteien auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Um den Arbeitnehmer dazu zu animieren, den Vertrag zu unterschreiben, und um einen späteren Gerichtsprozess zu verhindern, bietet der Arbeitgeber dem Angestellten regelmäßig die Zahlung einer Abfindung an.

Dieser Betrag zählt aber nach dem Einkommensteuergesetz - EStG - zum lohnsteuerpflichtigen Einkommen und muss daher zwingend in der Steuererklärung angegeben werden.

Beim Thema Versteuerung von Abfindungen können viele Fehler gemacht werden. Der Abfindungsrechner auf anwalt.de ermöglicht eine ganz einfache Berechnung des Betrags, der nach Abzug der Steuer - also netto - von einer Abfindung übrig bleibt.

Kein Anspruch auf eine Abfindung

Im deutschen Arbeitsrecht hat ein Mitarbeiter nicht automatisch einen Abfindungsanspruch, nur weil der Arbeitgeber das Dienstverhältnis beenden möchte. Nach § 9 I 1 Kündigungsschutzgesetz - KSchG - ist eine Abfindung eigentlich nur zu zahlen, wenn das Gericht festgestellt hat, dass die Kündigung unwirksam, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für den Arbeitgeber allerdings unzumutbar ist. Dennoch wird es im Rahmen der Vertragsfreiheit als zulässig erachtet, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Zahlung einer Abfindung vereinbaren.

Bei der Höhe der Abfindungszahlung orientieren sich die Parteien regelmäßig an § 1a KSchG. Danach wird pro Beschäftigungsjahr ein halbes Monatsgehalt gezahlt. Allerdings sollte stets berücksichtigt werden, dass eine Abfindung negative Auswirkungen auf den Bezug von Arbeitslosengeld I - ALG I - haben kann. Unter Umständen droht dem Beschäftigten eine Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe oder ihm wird die Abfindung auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Daher sollte man sich den Abschluss eines Aufhebungsvertrags gut überlegen und den Inhalt des Vertrags rechtzeitig von einem Rechtsanwalt prüfen lassen.

Abfindungen sind außerordentliche Einnahmen

Eine Abfindung wird nach § 24 EStG als Ersatz für zukünftig entgehende Einnahmen gezahlt - schließlich erhält man mit Beendigung des Dienstverhältnisses kein Gehalt mehr. In diesem Fall stellt die Abfindung als Entschädigungszahlung jedoch außerordentliches Einkommen dar, das zum regulären Jahreseinkommen addiert werden muss und auf das grundsätzlich Einkommensteuer - ESt - bzw. Lohnsteuer sowie Kirchensteuer zu zahlen ist. Das hat unter Umständen jedoch zur Folge, dass sich das zu versteuernde Einkommen - denn aufgrund des hohen Abfindungsbetrags kann der Steuerpflichtige in einen höheren Steuersatz rutschen - und damit auch die zu zahlende Einkommensteuer an das Finanzamt erhöht. Denn normalerweise muss die Entschädigung gemäß dem Zuflussprinzip komplett in dem Veranlagungszeitraum versteuert werden, in dem die Zahlung - also der Zufluss - erfolgte.

Die höhere Steuerbelastung kann jedoch mit der sog. Fünftelregelung nach § 34 EStG verhindert bzw. etwas entschärft werden. Mit der Fünftelregelung wird die Abfindung nämlich fiktiv auf fünf Jahre verteilt, auch wenn sie in demselben Veranlagungszeitraum an den Beschäftigten ausbezahlt wurde. Es ist somit eine begünstigte Besteuerung der Abfindung möglich - auch wenn sich die Steuerersparnis mit der Fünftelregelung in Grenzen hält.

Steuerbegünstigung dank der Fünftelregelung?

Die Ermittlung der Netto-Abfindung bzw. die Besteuerung der Brutto-Abfindung mit der Fünftelregelung ist ziemlich kompliziert. So wird zunächst die Einkommensteuer auf den normalen Jahresarbeitslohn - ohne Berücksichtigung der Abfindungszahlung - berechnet. In einem zweiten Rechenschritt folgt die Berechnung der Einkommensteuer aus der Summe des regulären Jahresarbeitslohns und einem Fünftel der Abfindung. Die Differenz der beiden Einkommensteuer-Beträge wird daraufhin mit fünf multipliziert. Das Ergebnis ist die für die Abfindung zu zahlende Steuer, die zur regulären Einkommensteuer, die aus dem Einkommen im ersten Rechenschritt ermittelt wurde, addiert werden muss. Diese Art der Besteuerung einer Abfindung ist für den Steuerpflichtigen vorteilhafter - schließlich wird nicht die gesamte Abfindungszahlung bei der Berechnung der Steuer berücksichtigt.

Auch der Abfindungsrechner wendet bei der Besteuerung einer Abfindung die Fünftelregelung an. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Fünftelregelung nur unter bestimmten Voraussetzungen zur Anwendung kommt. So muss es etwa zu einer Zusammenballung der Einkünfte kommen. Zusammenballung bedeutet in Bezug auf die Abfindung, dass der Arbeitnehmer in dem betreffenden Jahr mit der Abfindungszahlung mehr Einkünfte erzielt haben muss, als er bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses verdient hätte. Des Weiteren muss der Steuerpflichtige die Abfindungszahlung innerhalb eines Kalenderjahres erhalten haben. Eine Auszahlung in Teilbeträgen über mehrere Jahre hinweg ist daher nicht zulässig. Ausnahmsweise ist die ermäßigte Besteuerung der Entschädigung trotz Teilauszahlungen jedoch möglich, wenn die Teilbeträge eher gering sind, also z. B. 10 Prozent der Hauptleistung nicht überschreiten.

Ist die Fünftelregelung nicht anwendbar, so muss die Entschädigung voll versteuert werden. Um nicht in den höheren Steuersatz zu rutschen, sollte man jedoch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater zurate ziehen. So wäre es z. B. möglich, dass der Steuerzahler und sein Chef - bevor die Entschädigungszahlung fällig wird - eine Vereinbarung treffen, wonach die Abfindung in Teilbeträgen, deren Höhe ebenfalls zuvor festgelegt werden muss, und über mehrere Jahre verteilt ausbezahlt werden soll.

Abfindungsrechner ermittelt Steuerbelastung

Anhand des Abfindungsrechners kann schnell ermittelt werden, wie viel Geld man nach Abzug der Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer tatsächlich von seiner Abfindung erhält. Dazu muss lediglich das Steuerjahr - also der Veranlagungszeitraum - im Abfindungsrechner angegeben werden. Auch muss im Rechner das Eingabefeld Bruttojahresgehalt mit der Höhe der Einnahmen im Veranlagungszeitraum ausgefüllt werden. Denn um die anfallende Steuerlast nach der Fünftelregelung ausrechnen zu können, muss dem Rechner auch der auf das gesamte Jahr anfallende Arbeitslohn bekannt sein.

Sodann muss die Höhe der Entschädigungszahlung in den Abfindungsrechner eingetragen werden. Mittlerweile gibt es hier keine Freibeträge mehr - die Entschädigungszahlung ist vollständig im Rechner anzugeben.

Im Eingabefeld Lohnersatzleistungen muss der Arbeitnehmer z. B. eintragen, wie viel Arbeitslosengeld er erhält. Diese Beträge stellen schließlich Einkünfte dar und können im Rahmen der Fünftelregelung - und hier bei der Zusammenballung von Einnahmen - eine wichtige Rolle spielen. Zuletzt muss der Arbeitnehmer erklären, ob - und wenn ja, wie viel - er Kirchensteuer zahlt. Hier gibt es die Möglichkeit, die Steuerlast erneut zu senken, indem der Steuerpflichtige rechtzeitig den Erlass der Kirchensteuer, soweit sie auf die Entschädigung entfällt, beantragt.

Nach Eingabe aller Daten in den Abfindungsrechner erhält man eine Übersicht über die zu zahlende Einkommensteuer und die Höhe der Netto-Abfindung, die jedoch variiert - je nachdem, welcher Einkommensteuertarif, Grundtarif oder Splittingtarif im Rahmen der Steuererklärung zur Anwendung kommt.

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