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Erbrecht in den USA – Einführung

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Zwischen den USA und Deutschland gibt es traditionell ein sehr gutes Verhältnis und freundschaftliche und familiäre Beziehungen verbinden beide Staaten eng miteinander. Aus diesem Grund ist auch das „amerikanische Erbrecht“ für viele Deutsche von Bedeutung. Der Artikel gibt eine Einführung.

Kein einheitliches Erbrecht in den USA

Ein „amerikanisches oder US-Erbrecht“ gibt es genau genommen nicht. Vielmehr hat jeder US-Bundesstaat sein eigenes Erbrecht. So haben z. B. die Bundesstaaten Florida und Kalifornien Regeln, die sich deutlich voneinander unterscheiden.

Beispiel: Nach dem Erbrecht von Kalifornien ist auch ein eigenhändiges Testament wirksam. Es ist auch wirksam, wenn keine Zeugen das Testament unterschrieben haben. Hingegen ist ein (eigenhändiges) Testament in Florida unwirksam, wenn keine Zeugen unterschrieben haben.

Bei einer Erbschaft in den USA kann aber auch deutsches Erbrecht anzuwenden sein. Da sich das Erbrecht der USA und Deutschland ganz erheblich unterscheidet, kann die Anwendung deutschen Erbrechts erhebliche Konsequenzen haben.

Beispiel: Das Erbrecht von Florida kennt – anders als das deutsche Erbrecht – kein Pflichtteilsrecht der Kinder. Wird ein Kind nicht bedacht, ist es daher in seinem Interesse, dass deutsches Erbrecht Anwendung findet.

Welches Erbrecht ist anzuwenden?

Welches Erbrecht anzuwenden ist, wird durch das sog. „internationale Privatrecht“ (choice-of-law) entschieden. Dieses Recht ist in den meisten US-Bundesstaaten im Wesentlichen gleich. Es folgt allerdings ganz anderen Regeln, als das deutsche „internationale Privatrecht“. So stellen deutsche Gerichte für Erbfälle nach dem 17.08.2015 im Grundsatz auf den „gewöhnlichen Aufenthalt“ (zuvor: Staatsangehörigkeit des Erblassers) ab; allerdings kann das Recht einer Staatsangehörigkeit gewählt werden. Gerichte in den USA stellen hingegen im Grundsatz auf das letzte Domizil (domicile) für bewegliches Vermögen ab und eine Rechtswahl bei domicile in den USA ist zumeist unwirksam; daher kann es passieren, dass deutsche und amerikanische Gerichte zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Beispiel: Friedrich Klug errichtete 2014 vor einem deutschen Notar ein Testament und wählte deutsches Recht. Anfang 2015 zog er auf Dauer nach Los Angeles (Kalifornien), wo er am 01.09.2015 bei einem Autounfall verstarb. Er vererbt ein Wertpapierdepot, welches bei einer Bank in Los Angeles geführt wird und ein Kontokorrentkonto in Berlin (Deutschland). Ein Gericht in Kalifornien wendet im Hinblick auf beide Konten das Erbrecht von Kalifornien an. Hingegen würde ein deutsches Gericht deutsches Erbrecht anwenden.

Bei unbeweglichem Vermögen (z. B. Haus) wenden amerikanische Gerichte hingegen im Grundsatz das Recht des Ortes, an dem es sich das unbewegliche Vermögen befindet, an (sog. „situs“). Für Erbfälle bis zum 17.08.2015 sahen dies in der Regel auch deutsche Gerichte so. Bei Erbfällen nach dem 17.08.2015 werden allerdings deutsche und amerikanische Gerichte oft zur Anwendung anderen Rechts kommen, da Deutschland keine Ausnahmen für Immobilien mehr zulässt.

Beispiel: Max Mustermann verstirbt mit letztem Domizil in Berlin, Deutschland, und hinterlässt eine Immobilie in New York. Wäre er vor dem 17.08.2015 verstorben, hätten sowohl deutsche Gerichte, als auch Gericht von New York das Erbrecht von New York angewendet. Da er aber nach dem 16.08.2015 verstarb, wendet ein deutsches Gericht deutsches Erbrecht an, während ein Nachlassgericht von New York (surrogates court) das Erbrecht von New York anwendet.

Tipp: Dies können sich Erben oder Pflichtteilsberechtigte zunutze machen, indem sie das für sie günstigere Gericht anrufen, sog. „Forum Shopping“.

Unterschiede im materiellen Erbrecht

In der Praxis von großer Bedeutung bei deutsch-amerikanischen Erbfällen ist das Fehlen eines Pflichtteilsrechts in den meisten Bundesstaaten der USA (allerdings gibt es oftmals gesetzliche Unterhaltsansprüche gegen den Nachlass). Auch die erforderliche Form eines Testaments unterscheidet sich deutlich. So sind die in Deutschland üblichen Formen (notarielles Testament und eigenhändiges Testament) in den USA weitgehend unbekannt. In den USA ist vielmehr das sog. Zwei-Zeugen-Testament üblich. Dieses wird durch den Erblasser oder einen von ihm beauftragten Dritten verfasst und dann von dem Erblasser und 2 Zeugen unterschrieben. „Deutsche“ Testamente sind daher aus amerikanischer Sicht oftmals unwirksam.

Beispiel: Ein eigenhändiges Testament eines Deutschen wird in Florida nicht anerkannt. Folge: Gesetzliche Erbfolge.

Gibt es kein oder kein wirksames Testament, bestimmt sich die Frage, wer Erbe wird (succession), nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge (intestate succession). Die gesetzliche Erbfolge unterscheidet sich im Vergleich zu Deutschland teils erheblich.

Beispiel: Friedrich Klug, deutscher Staatsbürger, letzter Wohnsitz und letztes Domizil in Los Angeles (Kalifornien), vererbt ein Wertpapierdepot, welches bei einer Bank in Los Angeles geführt wird, und ein Konto in Berlin (Deutschland). Er hat kein Testament errichtet. Einzige lebende Angehörige sind Frau Steffi Berliner und Herr Theodor Münchener. Frau Berliner ist die Enkelin des Urgroßvaters von Herrn Klug. Herr Münchener ist der Sohn der bereits zuvor verstorbenen Ehefrau des Herrn Klug. Nach deutschem Erbrecht erbt Frau Berliner. Nach dem Erbrecht von Kalifornien erbt Herr Münchener.

Aber auch innerhalb der USA gibt es große Unterschiede.

Nachlassverfahren und Nachlassverwaltung

Dem deutschen Nachlassverfahren vergleichbar ist das amerikanische probate-Verfahren. Das Nachlassgericht (probate court) prüft in diesem Verfahren insbesondere die Wirksamkeit eines Testaments (daher kommt auch der Name des Verfahrens). Daneben ist es aber auch Aufgabe des Gerichts, einen Nachlassverwalter einzusetzen und – bei Verletzung der Pflichten – auch wieder abzuberufen. Anders als in Deutschland ist in den USA nämlich immer ein Nachlassverwalter, der sog. personal representative, einzusetzen. Es ist zwischen zwei Formen des Nachlassverwalters zu unterscheiden: Dem administrator und dem executor. Von einem executor (weiblich: executrix) spricht man, wenn der Nachlassverwalter in einer testamentarischen Verfügung durch den Erblasser benannt wurde. Aufgabe des personal representative ist die Verwaltung (administration) und Verteilung des Nachlasses an die Begünstigten (distribution). Anders als ein deutscher Testamentsvollstrecker erwirbt er eigene Rechte am Nachlass (legal ownership).

Tipp: Der Nachlassverwalter verfügt über umfangreiche Rechte, aber auch Pflichten. Gerade ausländische Erben sollten daher seine Tätigkeit überwachen lassen. Es ist auch immer zu überlegen, ob der Erbe nicht selbst Nachlassverwalter werden kann. Die tatsächliche Durchführung kann dann einem Rechtsanwalt übertragen werden.

Der Trust

Oftmals errichtet der Erblasser lange vor seinem Tod oder auf seinen Tod einen trust. Hierdurch soll meist das förmliche probate- Verfahren vermieden werden. Die Rolle des executor oder administrator kommt in diesem Fall dem trustee zu, welcher in dem Testament oder das trust-Dokument benannt wird. Seine Rechte und Pflichten werden dabei im trust-Dokument festgelegt. Die gerichtliche Aufsicht ist in vielen Bundesstaaten der USA stark eingeschränkt. In Kalifornien gibt es allerdings eine starke Aufsicht.

Joint tenancy

Die „joint tenancy“ ist eine Art Gesamthandeigentum, d. h. das Recht an einem Gegenstand (z. B. Bankkonto) steht mehreren Personen gemeinsam zu. Stirbt einer der Berechtigten, erwirbt der Überlebende das alleinige Recht.

Tipp: Deutsche Pflichtteilsberechtigte sollten immer prüfen, ob insoweit nicht ein Pflichtteilsergänzungsanspruch nach deutschem Erbrecht in Betracht kommt.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite unter http://www.wf-frank.com/spezialisierung/erbrecht-der-usa.html

Rechtsanwalt Jan-Hendrik Frank

Fachanwalt für Erbrecht, TEP


Rechtstipp vom 28.10.2015
Aktualisiert am 27.04.2017
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass und dem Rechtsgebiet Erbrecht | Amerikanisches Recht

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