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Homeoffice – was sollten Arbeitgeber vertraglich regeln?

Rechtstipp vom 22.09.2018
Aktualisiert am 24.09.2018
(24)
Rechtstipp vom 22.09.2018
Aktualisiert am 24.09.2018
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Konzentriertes, ungestörtes Arbeiten im Homeoffice: So sieht der Wunsch von Arbeitnehmern nach mehr Freiheit im Berufsleben oft genug aus, wenn sie Beruf, Familie und Haushalt besser unter einen Hut bringen möchten. Ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf Homeoffice besteht in Deutschland nicht. Die Homeoffice-Arbeit kann – und sollte deshalb – zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über eine Homeoffice-Vereinbarung vertraglich geregelt werden.

Wann ist die Arbeit im Homeoffice sinnvoll?

Ein flexibles Arbeitsmodell eignet sich nicht immer. Arbeitgeber müssen zunächst darüber nachdenken, ob die Tätigkeit überhaupt vom Homeoffice aus zu bewältigen ist oder ob die Präsenz am Unternehmensstandort zwingend erforderlich ist. Auch eine funktionierende Telekommunikations- und IT-Umgebung sowie ein Homeoffice-Arbeitsplatz müssen vorhanden sein. Gegen die Arbeit im Homeoffice kann auch das persönliche Leistungspotenzial des Arbeitnehmers sprechen, das stark von seiner Motivation und seinen persönlichen Stärken abhängt.

Hierüber wird auch ein möglicherweise im Betrieb existierender Betriebsrat nachdenken, wenn er im Vorfeld von arbeitsvertraglichen Vereinbarungen im Rahmen seiner Mitbestimmungsrechte zu beteiligen ist (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn mehr als nur ein Mitarbeiter von einem Homeoffice aus tätig ist.

Die wichtigsten Regelungen

Klare Vereinbarungen mit eindeutigen, transparenten Rahmenbedingungen und Erwartungen sind die Grundlage flexibler Arbeitsmodelle. Mit ihnen lassen sich die meisten Stolperfallen von vornherein umgehen. Die Homeoffice-Vereinbarung sollte zunächst festlegen, an wie vielen Tagen vom Homeoffice aus gearbeitet wird und welche Pausenzeiten gelten, denn auch hier gilt das Arbeitszeitgesetz. Klargestellt werden sollte auch, ob und wie die Arbeitszeit erfasst werden muss und ob und wann Mehrarbeit zulässig ist und vergütet wird.

Es ist sinnvoll, in der Homeoffice-Vereinbarung auch versicherungsrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Das Bundessozialgericht (BSG, Urteil vom 05. Juli 2016, Az.: B 2 U 5/15 R) urteilte, dass der Weg vom Homeoffice-Arbeitsplatz in andere Räumlichkeiten, beispielsweise die Küche, nicht gesetzlich unfallversichert ist. Der Versicherungsschutz greift auch nicht auf dem Weg vom heimischen Büro in den Kindergarten und zurück. Von der Unfallversicherung gedeckt sind somit lediglich Unfälle, die direkt am Arbeitsplatz zu Hause passieren. In einer Homeoffice-Vereinbarung sollte insofern sichergestellt werden, dass der verbleibende Versicherungsschutz ausreichend ist.

Auf Augenhöhe verhandeln

Eine Homeoffice-Vereinbarung, die einseitig zum Vorteil des Unternehmens getroffen wurde, ist möglicherweise unwirksam. Deshalb sollte die Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer auf Augenhöhe ausgehandelt werden. Gemeinsam können Arbeitgeber und Arbeitnehmer festlegen, welche Vorschläge der Arbeitnehmer auf jeden Fall umgesetzt sehen will und auf welche persönlichen Belange er besonderen Wert legt.

Basiert die Kündigung einer Homeoffice-Vereinbarung auf einer Vertragsbedingung, die einseitig vom Arbeitgeber formuliert wurde, ist die Kündigung laut Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf (LAG Düsseldorf, Urteil vom 10. September 2014, Az.: 12 Sa 505/14) unwirksam. Die Beendigung dieser allgemeinen Arbeitsvertragsbedingung stellt eine Versetzung im Sinne des § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG dar und setzt die Zustimmung des Betriebsrats voraus. 

Protokoll führen

Arbeitgeber sollten darauf achten, die Beteiligung des Arbeitnehmers an der Homeoffice-Vereinbarung zu dokumentieren. Dafür eignet sich ein Gespräch, in dem alle relevanten Punkte von beiden Parteien gemeinsam abgestimmt und in einem Gesprächsprotokoll festgehalten werden. Ein Restrisiko trägt der Arbeitgeber trotz einer sauberen Dokumentation aufgrund des Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnisses. Grundsätzlich gilt trotzdem, dass ein ausgewogen ausgehandelter Vertrag das Konfliktpotenzial verringert, gerade in einem schwierigen Fall wie einer Kündigung.


Rechtstipp aus der Themenwelt Homeoffice-Vereinbarung und den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Sozialrecht

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