Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Autounfall: Was tun bei einem Verkehrsunfall?

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Verkehrsrecht

Sie wurden in einen Verkehrsunfall verwickelt? Jetzt gilt es, die Schuldfrage zu klären. Dabei spielt es keine Rolle, ob nur ein Blechschaden entstanden ist oder gar Personen verletzt wurden. Da derjenige, dessen Schuld nachgewiesen werden kann, auch haftet, sollten Sie Ihre Rechte und Pflichten kennen und im Zweifelsfall einen Rechtsanwalt einschalten.

Die wichtigsten Fakten

  • Für die bei einem Autounfall entstandenen Schäden haftet immer der Unfallverursacher.
  • Ohne eigenes Verschulden bekommen Sie den Schaden von der Kfz-Versicherung Ihres Unfallgegners erstattet.  
  • Wurden Sie bei dem Unfall verletzt, haben Sie Anspruch auf Schmerzensgeld.
  • Lässt sich die Schuldfrage nicht klären, haften in der Regel alle Beteiligten zu gleichen Teilen.
  • Verursacht ein Tier einen Unfall, wird unterschieden zwischen Haustier, Nutztier oder Wildtier. 

So gehen Sie vor

  1. Sichern Sie die Unfallstelle ab.
  2. Verschaffen Sie sich einen Überblick setzen Sie ggf. einen Notruf ab und leisten Sie Erste Hilfe.
  3. Verständigen Sie die Polizei: Das polizeiliche Protokoll hilft Ihnen, Beweise zu sichern.
  4. Sammeln Sie Kontaktdaten der Zeugen und Unfallbeteiligten.
  5. Fotografieren Sie den Unfallort und fertigen Sie eine Unfallskizze an.
  6. Machen Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch – Sie müssen sich nicht selbst belasten. 
  7. Ziehen Sie einen Anwalt zurate. Tragen Sie keine Schuld an dem Unfall, muss diesen die gegnerische Versicherung bezahlen. 

Wer haftet bei einem Unfall im Straßenverkehr?

Grundsätzlich gilt: Wer einen Unfallschaden verursacht hat, muss ihn bezahlen. Diese Haftungsregel erscheint simpel, dennoch gestaltet sich die Praxis bei etlichen Unfällen deutlich schwieriger. Bei den meisten Unfällen haben sich mehrere Verkehrsteilnehmer falsch verhalten und tragen deshalb jeweils eine Teilschuld.

Im Straßenverkehr gelten außerdem besondere Haftungsregeln:

  • Der Fahrer des Autos haftet für Fahrfehler.
  • Parallel haftet auch der Halter wegen der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs.
  • Die Betriebsgefahr muss bei der Ermittlung der Haftung miteinbezogen werden.
 

Stellt sich heraus, dass mehrere Personen Schuld an dem Unfall tragen, gilt: Die Teilschuld jedes einzelnen orientiert sich nach dem Anteil seiner Schuld. Man spricht von der Haftungsquote. Diese muss meist gerichtlich festgesetzt werden.

Wer muss bei ungeklärter Schuldfrage haften?

Lässt sich die Schuldfrage aufgrund mangelnder Beweise nicht klären, muss trotzdem ermittelt werden, wer in welchem Umfang haftet. Häufig geht man von einer anteiligen Mithaftung des Fahrzeughalters aus, die aus der Betriebsgefahr resultiert.

Gerade bei Unfällen zwischen Autos und nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern wie Radfahrern kann deshalb der Halter des Kfz vollständig haften. Voraussetzung dafür ist aber, dass bei dem nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer kein Verschulden angenommen werden kann.

Waren in einen Verkehrsunfall ausschließlich Autos verwickelt sind und gibt es nicht genügend Beweise für die Schulden eines Beteiligten, haften in der Praxis meist beide zu gleichen Teilen. Bei einem Auffahrunfall wird stets angenommen, dass der Auffahrende den Sicherheitsabstand unterschritten oder nicht aufgepasst hat. Das Gegenteil müssen Sie beweisen

In Fällen, in denen sich der Unfallhergang gar nicht klären lässt und die Beteiligten widersprüchliche Angaben machen, verhält es sich anders. Hier haften im Regelfall beide Fahrer jeweils zur Hälfte.

Verkehrsrecht - Autounfall.jpg

Verkehrsunfall

Die wichtigste Frage für Sie als Beteiligter an einem Unfall im Straßenverkehr ist die Schuldfrage.

Lassen Sie sich rund um das Thema Verkehrsunfall beraten!

Wenn Tiere Unfälle verursachen

Im Straßenverkehr wird es auch dann kompliziert, wenn Tiere die Unfallverursacher sind. Wenn unerwartet z. B. ein Reh oder Hund auf der Fahrbahn auftaucht, geht es für Sie als Fahrer um viel mehr als die Frage, ob Sie besser ausweichen oder das Tier überfahren sollten.

Unklar ist vor allem meist die Haftungsfrage. Wenn es sich um ein Haustier handelt, kann unter Umständen der Tierhalter haften. Grundlage dafür ist die sog. Gefährdungshaftung für Tierhalter. Bei Nutztieren hängt die Haftung davon ab, ob der Halter die Vorgaben der Landwirtschaftskammer bzw. des Landwirtschaftsamtes umgesetzt hat. Bei Wildunfällen ist schließlich der Versicherungsschutz des Fahrers ausschlaggebend.

Kommt es zu Schäden an fremden Autos, springt im Regelfall die Haftpflichtversicherung ein. Schäden am eigenen Wagen können von einer Teilkaskoversicherung beglichen werden. Jedoch nur dann, wenn nachweislich ein Wildunfall vorliegt und der Fahrer zu Recht ausgewichen ist oder das Tier überfahren hat.

Welche Ansprüche entstehen bei welchen Schäden?

Generell ersetzt die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers Ihre Schäden als Unfallbeteiligter, wenn Sie keine Schuld an dem Unfall tragen. Zur Beweissicherung sollte daher auch bei kleineren Schäden die Polizei hinzugezogen werden.

Versuchen Sie vom Unfallgegner ein schriftliches Schuldanerkenntnis zu bekommen, wenn er den Unfall verschuldet hat. Zur Abgabe eines solchen ist der Unfallverursacher aber nicht verpflichtet.

Als Geschädigter haben Sie gegenüber Ihrem Unfallgegner u. a. folgende Ansprüche: 

  • Schadensersatz für die an Ihrem Auto entstandenen Schäden
  • Erstattung der Abschleppkosten
  • Zahlung von Nutzungsausfall oder eines Mietwagens, wenn Ihr Auto nicht mehr fahrbereit ist
  • Begleichung eines ggf. entstandenen Haushaltsführungsschadens
 

Bei einem Totalschaden wird Ihnen dagegen von der Versicherung meist nur der Wiederbeschaffungswert ausgezahlt. Bei einer Teilschuld am Unfall wird auch nur anteilig Schadensersatz gezahlt.

Verkehrsrecht - Autounfall.jpg

Verkehrsunfall

Die wichtigste Frage für Sie als Beteiligter an einem Unfall im Straßenverkehr ist die Schuldfrage.

Lassen Sie sich rund um das Thema Verkehrsunfall beraten!

Wann erhält man bei einem Unfall Schmerzensgeld?

Wenn Sie als Unfallopfer bei einem Verkehrsunfall Verletzungen erlitten haben, muss die Versicherung Ihres Unfallgegners nicht nur Ihre Behandlungskosten tragen, sondern Sie haben auch einen Anspruch auf Schmerzensgeld.

So setzen Sie diesen Anspruch durch:

  • Legen Sie Beweise vor, dass Ihr Gesundheitsschaden tatsächlich durch den Unfall entstanden ist.
  • Gehen Sie deshalb nach einem Unfall auch bei geringen Schmerzen oder kleinen Verletzungen unbedingt zum Arzt.
  • Bei typischen Unfallverletzungen wie einem Schleudertrauma kann es durchaus vorkommen, dass es erst Tage später zu Beschwerden kommt. Lassen Sie deshalb für die Beweisführung, sämtliche gesundheitlichen Probleme umgehend protokollieren.
  • Holen Sie sich ein Attest vom Arzt und dokumentieren Sie erlittene Verletzungen am besten durch Fotos.
  • Halten Sie Einschränkungen im Alltag durch erlittene Verletzungen schriftlich fest.
 
Nicht nur als Unfallbeteiligter, sondern auch als naher Angehöriger können Sie eventuell einen Schmerzensgeldanspruch besitzen, wenn Sie z. B. einen Schock erlitten haben, weil das Unfallopfer verstorben ist. Wenn Sie meinen, dass Ihnen Schmerzensgeld zusteht, ist es unbedingt empfehlenswert, einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Anzahl der Unfälle in Deutschland im Straßenverkehr

Verkehrsrecht - 92_erstberatung_verkehrsunfall_autounfall.jpg
Quelle: Statistisches Bundesamt

Bei 100 Unfällen mit Personenschaden 2017 lag im Durchschnitt folgendes Fehlverhalten der Fahrer zugrunde:

FehlverhaltenAnzahl der Fälle
Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren16
Nichtbeachten der Vorfahrt15
Ungenügender Abstand14
Nicht angepasste Geschwindigkeit13
Falsche Straßenbenutzung7
Falsches Verhalten gegenüber Fußgängern4
Fehler beim Überholen4
Alkoholeinfluss4
Sonstige Ursachen25
Von
Boris Christof Böhm
anwalt.de-Redaktion