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Fahrerflucht: Welche Strafen drohen und wie Sie reagieren sollten!

Haben Sie einen Verkehrsunfall verursacht, indem Sie beispielsweise ein geparktes Auto angefahren haben, und sind Sie einfach weggefahren? Dann haben Sie eine Straftat, nämlich die des unerlaubten Entfernens vom Unfallort gemäß § 142 StGB, sprich Fahrerflucht, begangen.

Bewahren Sie dennoch Ruhe und nehmen Sie anwaltliche Beratung in Anspruch, um schwerwiegende Konsequenzen zu vermeiden.

Die wichtigsten Fakten

  • Verkehrsteilnehmer, die einen Unfall verursacht haben und sofort weiterfahren, begehen Fahrerflucht.
  • Bei Fahrerflucht droht eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, drei Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot von maximal drei Monaten und der Entzug der Fahrerlaubnis.
  • Die exakte Strafe hängt von der Höhe des entstandenen Schadens ab.
  • Fahranfängern droht im Fall einer Fahrerflucht eine Verlängerung ihrer Probezeit um zwei Jahre sowie eine verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar.

So gehen Sie vor

  1. Droht Ihnen eine Anzeige wegen Fahrerflucht, versuchen Sie erst mal Ruhe zu bewahren!
  2. Nehmen Sie anwaltliche Beratung in Anspruch und lassen Sie sich über die möglichen Konsequenzen aufklären.
  3. Steht die Polizei bereits vor Ihrer Haustür, sollten Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen und keine voreiligen Aussagen treffen.
  4. Ein Anwalt kann Einsicht in Ihre Ermittlungsakten beantragen und Sie bestens vor den Ermittlungsbehörden vertreten.

Wann liegt Fahrerflucht vor?

Fahrerflucht bzw. Unfallflucht bedeutet: Sie sind an einem Unfall im Straßenverkehr beteiligt und haben den Unfallort sofort bzw. ohne zumutbare Wartezeit verlassen. Es liegt eine Straftat gemäß § 142 Strafgesetzbuch (StGB) vor.

Die Voraussetzung für Fahrerflucht ist, dass ein Personen- oder Fahrzeugschaden nach dem Unfall vorliegt. Denn ohne Schaden gibt es keine Unfallflucht!

Alltägliche Fälle der Unfallflucht mit Sachschaden sind unter anderem touchierte bzw. abgefahrene Seitenspiegel oder sogenannte Parkrempler, das heißt, das Touchieren eines anderen Fahrzeugs beim Ein- oder Ausparken.

Treffen Sie am Unfallort den Fahrzeugbesitzer nicht an, sind Sie gesetzlich verpflichtet, mindestens 30 Minuten zu warten. Taucht nach dieser Wartezeit niemand auf, muss die Polizei informiert werden – auch wenn kein Schaden am Fahrzeug zu sehen ist.

Mit welchen Strafen ist bei Fahrerflucht zu rechnen?

Sie machen sich strafbar, wenn Sie als Unfallbeteiligter nach einem Verkehrsunfall den Unfallort einfach verlassen. Dieses Fehlverhalten kann unterschiedlich sanktioniert werden.

Folgendes Strafmaß ist gemäß § 142 StGB bei Fahrerflucht möglich:

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe – von bis zu drei Jahren
  • drei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg
  • Fahrverbot von maximal drei Monaten
  • Entzug der Fahrerlaubnis

Grundsätzlich gilt: Die genaue Strafe ist von der Höhe des entstandenen Schadens abhängig!

Diese Strafen können auf Sie als unfallflüchtigen Fahrer zukommen:

SchadenshöheStrafmaß
unter 600 €Geldstrafe
600 € bis 1300 €Geldstrafe, 2 Punkte in Flensburg, Fahrverbot von maximal 3 Monaten
mehr als 1300 €Geldstrafe, 3 Punkte in Flensburg, Entzug der Fahrerlaubnis

Weitere Straftatbestände bei einer Unfallflucht

Im Zusammenhang mit der Fahrerflucht gibt es noch weitere Straftatbestände, die Sie erfüllt haben können. So kann es bei einer Unfallflucht mit Personenschaden noch zu weiteren Tatbeständen aus dem Strafgesetzbuch kommen. Die unterlassene Hilfeleistung an Unfallopfern wird gemäß § 323c StGB mit einer Freiheitsstrafe von maximal einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Dazu kommen Tatbestände aus dem Ordnungswidrigkeitenrecht, die regelmäßig Bußgelder nach sich ziehen: § 34 StVO umfasst beispielsweise die Pflicht, sich nach einem Verkehrsunfall um verletzte Personen an der Unfallstelle zu kümmern und gegebenenfalls Erste Hilfe zu leisten.

Sind Sie Beteiligter an einem Verkehrsunfall, bei dem Personen geschädigt wurden, und begehen Unfallflucht, so missachten Sie die Straßenverkehrsordnung.

Überblick über die einzelnen Straftatbestände in Verbindung mit Unfallflucht:

TatbestandStrafe
Unterlassene Hilfeleistung nach einem Unfall.Geld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 1 Jahr
Unfallbeteiligter ermöglicht nicht die Feststellung der eigenen Person, des eigenen Fahrzeugs und die Art der Unfallbeteiligung.Geld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren
Wartezeit missachtet.Geld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren
Berechtigt, entschuldigt oder nach Ende der Wartezeit vom Unfallort entfernt, ohne abschließend sofort Feststellungen zur Unfallbeteiligung zu ermöglichen.Geld- oder Freiheitsstrafe von höchstens 3 Jahren

Anzeige wegen Unfallflucht erhalten – was nun?

Haben Sie eine Anzeige wegen Unfallflucht erhalten, sollten Sie diese vier Schritte befolgen:

  • Ruhe bewahren

Haben Sie eine Anzeige wegen Fahrerflucht erhalten, versuchen Sie erst einmal Ruhe zu bewahren!

  • Vom Schweigerecht Gebrauch machen

Steht die Polizei vor Ihrer Haustür, sollten Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen und keine voreiligen Aussagen treffen, die Sie im Nachhinein belasten könnten.

  • Anwalt zurate ziehen

Nehmen Sie die kompetente Rechtsberatung eines Anwalts in Anspruch.

  • Akteneinsicht beantragen

Ein Anwalt kann Einsicht in Ihre Ermittlungsakten beantragen. Er ist außerdem in der Lage, Sie vor den Ermittlungsbehörden zu vertreten.

Ist nach einer Fahrerflucht eine Selbstanzeige sinnvoll?

Einige Autofahrer sehen ihr Fehlverhalten erst ein, wenn sie die Unfallstelle schon verlassen haben. Wenn Fahrerflüchtige im Nachhinein Reue zeigen, besteht die Möglichkeit, dass sie bei der Polizei Selbstanzeige erstatten und den Unfall dort melden.

Nach einer Selbstanzeige droht bei einer Fahrerflucht in einigen Fällen keine Strafe oder diese kann zumindest deutlich milder ausfallen. Dafür müssen jedoch folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Es darf lediglich ein geringer Sachschaden bis maximal 1300 Euro vorliegen.
  • Die Polizei darf noch keine Ermittlungen in dem Fall aufgenommen haben.
  • Die Selbstanzeige muss binnen 24 Stunden nach dem Unfall abgegeben werden.
  • Der Unfall muss außerhalb des fließenden Verkehrs passiert sein. Damit geht es vor allem um Kollisionen auf Parkplätzen mit entsprechenden Schäden.
  • Man muss auch nach einer Selbstanzeige seinen Beitrag dazu leisten, dass der Unfallgegner die eigenen Personalien und Informationen zum Fahrzeug bekommt.

Unfallflucht nicht bemerkt – trotzdem strafbar?

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Fahrerflucht um ein Vorsatzdelikt. Das bedeutet, der Täter muss von der von ihm begangenen Straftat Kenntnis haben. Bemerken Sie jedoch den Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug nicht, haben Sie ohne Vorsatz gehandelt. Abhängig von der Gesamtsituation – zum Beispiel bei kleinen Kratzern und Kollisionen bei langsamer Geschwindigkeit – wird Ihnen ein Richter vermutlich glauben, dass Sie den Zusammenstoß nicht bemerkt haben. Bei größeren Schäden wird das jedoch schwer zu begründen sein.

Können jedoch Dritte die von Ihnen begangene Unfallflucht bezeugen, wird die Polizei Ermittlungen gegen Sie einleiten.

Welche Folgen hat eine Unfallflucht in der Probezeit?

Fahranfänger, die einen Autounfall verursacht haben, sollten unbedingt sicherstellen, dass beim Unfallgegner kein Schaden entstanden ist. Eine Fahrerflucht zählt in der Probezeit zu den A-Verstößen. Sie wird – im Gegensatz zum leichteren B-Verstoß – als schwerwiegender Verkehrsverstoß gewertet. Führerscheinneulinge müssen schon bei einem solchen A-Verstoß innerhalb der Probezeit mit folgenden Konsequenzen rechnen:

  • Verlängerung der Probezeit um zwei weitere Jahre
  • Verpflichtung zur Teilnahme an einem Aufbauseminar

Hinzu kommt dieselbe Strafe in Abhängigkeit von der Schwere der Fahrerflucht wie bei langjährigen Verkehrsteilnehmern.

Zahlt die Versicherung bei Unfallflucht?

Generell übernimmt bei einer Fahrerflucht die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die anfallenden Reparaturkosten. Die Versicherung verlangt jedoch die Kosten vom Unfallverursacher zurück. Die Grenze liegt dabei bei 5000 Euro – bei festgestelltem Alkoholeinfluss sogar bei 10.000 Euro. Sie als Geschädigter müssen wiederum für den entstandenen Schaden nicht aufkommen.

Haben Sie die Unfallflucht begangen und wurden dabei erwischt, zahlt zunächst Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden. Allerdings wird auch Ihre Kfz-Versicherung die entstandenen Kosten von Ihnen zurückverlangen – auch dann, wenn eine andere Person mit Ihrem Fahrzeug gefahren ist.

Wann verjährt Fahrerflucht?

Fahrerflucht kann auch verjähren. § 78 StGB legt für Taten, bei denen ein Strafmaß zwischen mehr als einem und fünf Jahren Freiheitsstrafe droht, eine Verjährungsfrist von fünf Jahren fest. Danach ist es nicht mehr möglich, den Täter zu bestrafen.

Was tun bei Fahrerflucht als Geschädigter?

Haben Sie einen Sachschaden an Ihrem Fahrzeug entdeckt, aber der Täter hat Fahrerflucht begangen, müssen Sie dies als Geschädigter keineswegs einfach so hinnehmen.

Folgende Schritte können Sie unternehmen:

  • Kontaktieren Sie zunächst die Polizei.
  • Suchen Sie vor Ort nach Zeugen.
  • Stellen Sie eine Anzeige gegen unbekannt.
  • Lassen Sie gegebenenfalls ein Gutachten eines Sachverständigen erstellen.

Sie können die Anzeige gegen unbekannt stellen, wenn sich der Täter nicht nach 24 Stunden von selbst bei der Polizei gemeldet hat.

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