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Insolvenzverfahren: So gelingt der Neuanfang nach der Insolvenz!

Wer seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann oder bereits verschuldet ist, ist pleite. Bankrott. Insolvent. Privatpersonen können ebenso betroffen sein wie Unternehmen: wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Fehlkalkulationen etwa.

Die wichtigsten Fakten

  • Es gibt zwei Arten der Insolvenz: Die Privatinsolvenz für private Schuldner und die Regelinsolvenz für Unternehmen.
  • Der Ablauf des Insolvenzverfahrens im Detail hängt von der Art der Insolvenz ab.
  • Die Kosten setzen sich aus Kosten für das Verfahren und für den Insolvenzverwalter zusammen. Gegebenenfalls fallen auch Beratungsgebühren an. Ein Anwalt kann Sie darauf vorbereiten, was auf Sie zukommt!
  • Für Privatpersonen endet das Insolvenzverfahren normalerweise mit der Restschuldbefreiung. Ein Unternehmen hingegen kann saniert oder liquidiert werden.

So gehen Sie vor

  • Lassen Sie sich beraten! Ein Anwalt sagt Ihnen ganz genau, ob sich eine Insolvenz für Sie lohnt, welche Kosten auf Sie zukommen und ob Sie die Wohlverhaltensphase verkürzen können.
  • Denken Sie daran, die Restschuldbefreiung zu Beginn des Insolvenzverfahrens oder kurz danach anzumelden – das Gericht erteilt sie nicht automatisch!
  • Verletzen Sie Ihre Pflichten während der Wohlverhaltensphase nicht, sonst erhalten Sie abschließend keine Restschuldbefreiung.

Was ist ein Insolvenzverfahren?

Eine Insolvenz kann Privatpersonen und Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen treffen, z. B. Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, Fehlkalkulationen, schlechte Investitionen oder insolvente Geschäftspartner.

Damit sie ihren Schuldenberg abbauen und noch einmal von vorne anfangen können, gibt es das Insolvenzverfahren. Privatpersonen steht das Privatinsolvenz- oder Verbraucherinsolvenzverfahren zu, während es für Unternehmen das Regelinsolvenz- bzw. Firmeninsolvenzverfahren gibt.

Welche Arten der Insolvenz gibt es?

Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz (auch: Verbraucherinsolvenz) richtet sich an Privatpersonen, d. h. natürliche Personen, die nicht selbstständig tätig waren oder tätig sind. Sie verfolgt zwei wichtige Ziele:

  • Die Befreiung des Schuldners von all seinen Schulden
  • Die Gewährung des Pfändungsschutzes, d. h. der Schuldner ist für die gesamte Dauer der Insolvenz vor Zwangsvollstreckungsmaßnahmen geschützt (§ 89 Abs. 1 InsO)

Der Schuldner kann die Privatinsolvenz erst beantragen, wenn ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit seinen Gläubigern gescheitert ist.

Regelinsolvenz

Unternehmen und Freiberufler hingegen durchlaufen die Regelinsolvenz (auch: Unternehmensinsolvenz). Im Gegensatz zur Privatinsolvenz muss bei der Regelinsolvenz kein außergerichtlicher Einigungsversuch erfolgen.

Für eine Unternehmensinsolvenz gibt es nur zwei mögliche Ausgänge des Verfahrens: eine Sanierung oder eine Liquidation des Unternehmens.

Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab?

Wie ein Insolvenzverfahren im Detail verläuft, hängt von der Art der Insolvenz ab. Das Privatinsolvenzverfahren unterscheidet sich vom Regelinsolvenzverfahren.

Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz verläuft wie folgt:

  1. Außergerichtlicher Einigungsversuch: Wer einen Insolvenzantrag stellen will, muss zuerst mit den Gläubigern verhandeln und eine außergerichtliche Einigung anstreben.
  2. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren: Verläuft der außergerichtliche Einigungsversuch erfolglos, kann der Schuldner einen Antrag auf die Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens einreichen.
  3. Insolvenzeröffnung: Sind alle Einigungsversuche gescheitert und können die anfallenden Gerichts- und Insolvenzkosten gedeckt werden, wird das Verfahren eröffnet. Ein Treuhänder verteilt jetzt die vorhandene Vermögensmasse an die Gläubiger.
  4. Restschuldbefreiungsverfahren mit Wohlverhaltensphase: Erfüllt der Schuldner all seine Pflichten, wird ihm abschließend die Restschuldbefreiung erteilt. Das Insolvenzverfahren endet mit der Wohlverhaltensphase, die bis zu sechs Jahre dauern kann. Ziel ist es, so viele Schulden wie möglich abzubauen und die Gläubiger zufriedenzustellen.

Regelinsolvenz

Die Regelinsolvenz verläuft wie folgt:

  1. Eröffnungsverfahren: Der Unternehmer stellt im ersten Schritt einen Antrag auf die Eröffnung einer Regelinsolvenz beim zuständigen Insolvenzgericht.
  2. Eigentliches Insolvenzverfahren: Ein Insolvenzverwalter übernimmt die Unternehmensführung und erstellt einen Insolvenzplan. Nehmen die Gläubiger den Plan an, kann das Unternehmen saniert werden. Bei Ablehnung des Plans muss die Firma liquidiert und das Geld auf die Gläubiger aufgeteilt werden.
  3. Verfahrensabschluss: Beendet ist das Verfahren, sobald alle Forderungen beglichen sind und der Insolvenzverwalter einen Schlussbericht beim Insolvenzgericht eingereicht hat. Erhebt es keine Einwände, bewilligt es die Verteilung der Insolvenzmasse auf die Gläubiger und hebt das Verfahren auf. Nun ist das Unternehmen entweder saniert oder liquidiert.

Wer sind die Beteiligten eines Insolvenzverfahrens?

Das Insolvenzverfahren involviert viele verschiedene Stellen und Personen, die verschiedene Rechte und Pflichten haben und je nach Stellung eine bestimmte Aufgabe erfüllen.

In der Regel gibt es folgende Beteiligte:

  • Das Insolvenzgericht, das die Restschuldbefreiung durchführt
  • Den Insolvenzverwalter, der das bestehende Vermögen und/oder pfändbare Einkommen verteilt und verwertet
  • Die Insolvenzgläubiger, die Forderungen gegen den Schuldner haben
  • Der Schuldner selbst

Wie viel kostet ein Insolvenzverfahren?

Es klingt absurd, doch: Die Befreiung von Schulden kostet. Bei der Privatinsolvenz fallen unter anderem folgende Kosten an:

Gerichtskosten

Die Höhe der Gerichtskosten ist abhängig von der Anzahl der Gläubiger und der Insolvenzmasse. Die Insolvenzmasse setzt sich aus dem gesamten Vermögen des Schuldners zusammen, also dem Einkommen und dem Besitz eines Autos, Grundstücks etc.

In der Regel können Schuldner mit Gerichtskosten von 1.000 € bis 1.800 € rechnen.

Insolvenzverwalter

Die Kosten für den Insolvenzverwalter richten sich ebenfalls nach der Anzahl der Gläubiger und der Insolvenzmasse. Wenn die Anzahl der Gläubiger nicht mehr als zehn beträgt, erhält der Insolvenzverwalter mindestens 1.000 €. Bei mehr als zehn Gläubigern kommen je fünf Gläubigern 150 € hinzu.

Der Insolvenzverwalter erhält zusätzlich einen prozentualen Anteil der Insolvenzmasse.

Stundung der Verfahrenskosten

Bei der Stundung handelt es sich um einen Zahlungsaufschub. Schuldner, die kein Geld haben, können eine Stundung der anfallenden Kosten für das Gericht und den Insolvenzverwalter beantragen. Das heißt, dass der Schuldner vorerst keine Zahlungen leisten muss, in der Regel bis zur Restschuldbefreiung.

Der Antrag auf Stundung muss beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt werden.

Wie lange dauert ein Insolvenzverfahren?

Die Dauer des Insolvenzverfahrens hängt von der Art des Verfahrens ab.

  • Privatpersonen, die eine Privatinsolvenz beantragen, müssen mit einer Verfahrensdauer von drei bis sechs Jahren rechnen. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Schuldenberg oder wie hoch die Anzahl der Gläubiger ist.
  • Die Dauer einer Unternehmensinsolvenz hingegen hängt ganz von der Größe und Komplexität des Unternehmens sowie der Anzahl der Gläubiger ab. Ein Regelinsolvenzverfahren kann so bereits nach vier Jahren oder früher beendet sein, oder aber auch bis zu zehn Jahre andauern.

Wie geht es nach dem Insolvenzverfahren weiter?

Wohlverhaltensphase

Mit der Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens beginnt die Wohlverhaltensphase. Sie dauert drei, fünf oder sechs Jahre ab Verfahrensbeginn. Während ihr müssen Schuldner strenge Regeln befolgen, damit ihnen am Ende die Restschuldbefreiung erteilt wird.

  • Erstens muss der Schuldner einer beruflichen Tätigkeit nachkommen. Wenn er arbeitslos ist, muss er sich ernsthaft um eine neue Arbeitsstelle bemühen und darf einen neuen Job nicht ablehnen, wenn er für den Schuldner zumutbar ist.
  • Zweitens ist der Schuldner dazu verpflichtet, einen Teil seines Arbeitseinkommens an den Treuhänder zu entrichten – das ist der pfändbare Teil seines Einkommens.
  • Drittens darf der Schuldner während der Wohlverhaltensphase keine neuen Schulden in unangemessener Höhe ansammeln, sonst erhält er keine Restschuldbefreiung.

Verkürzung der Wohlverhaltensphase

Die Wohlverhaltensphase dauert normalerweise sechs Jahre, doch eine Verkürzung auf drei oder fünf Jahre ist möglich,

  • wenn der Schuldner innerhalb von drei Jahren die entstandenen Verfahrenskosten und 35 % der Gläubigerforderungssumme bezahlen kann;
  • wenn der Schuldner nach fünf Jahren die Verfahrenskosten selbst abbezahlt hat.

Restschuldbefreiung

Nach der Wohlverhaltensphase wird Privatpersonen die Restschuldbefreiung erteilt. Damit ist das Insolvenzverfahren beendet. Allerdings erfolgt die Restschuldbefreiung nicht automatisch, sondern muss beantragt werden: entweder zu Beginn des Verfahrens oder kurz danach.

Konkret bedeutet das Ende des Insolvenzverfahrens:

  • Sie sind von fast allen Schulden, die zur Insolvenz geführt haben, endgültig befreit. Ausnahmen sind Forderungen, die aus verbotenen Handlungen resultieren, z. B. eine Geldstrafe.
  • Gestundete Verfahrenskosten können Sie nun in Raten begleichen.
  • Der Schufa-Eintrag über die Privatinsolvenz bleibt jetzt noch etwa drei Jahre für Sie bestehen; alte Einträge über Gläubigerforderungen hingegen werden entfernt.

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