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Fahrverbot: Was können Sie tun, wenn der Verlust des Führerscheins droht?

Wenn Sie einen Bußgeldbescheid mit einem Fahrverbot erhalten haben oder einen solchen erwarten, müssen Sie das nicht immer hinnehmen. Hier erfahren Sie, wie Sie sich in vielen Fällen gegen die Verhängung eines Fahrverbots zur Wehr setzen können.

Die wichtigsten Fakten

  • Wenn Sie ein Fahrverbot erhalten haben, ist es Ihnen untersagt, Kraftfahrzeuge jeder oder einer bestimmten Art auf öffentlichen Straßen zu führen.
  • Ein Fahrverbot droht Ihnen generell bei Vergehen, die mit 2 Punkten in Flensburg geahndet werden.
  • Bei einem Fahrverbot müssen Sie Ihren Führerschein für eine Dauer von bis zu 6 Monaten abgeben.
  • Unter gewissen Voraussetzungen können Sie jedoch die Verhängung eines Fahrverbots abwenden.

So gehen Sie vor

  1. Halten Sie bei verhängten Fahrverboten unbedingt die Einspruchsfrist ein! Sonst dürfen Sie am Ende dieser Frist nicht mehr fahren.
  2. Gerichtlich verhängte Fahrverbote werden eine Woche nach Urteilszustellung wirksam. Daher müssen Sie rechtzeitig Rechtsmittel einlegen.
  3. Kontaktieren Sie am besten sofort einen Rechtsanwalt für Verkehrsrecht!
  4. Machen Sie es sich einfach und nutzen Sie das anwalt.de-Formular!
 
 

Fahrverbot erhalten? Das sind Ihre Rechte

  • Anhörungsbogen prüfen: Vor einem Bußgeldbescheid mit einem Fahrverbot erhalten Sie als Fahrzeughalter im Regelfall zuerst einen Anhörungs- oder Zeugenfragebogen. Wenn Sie nicht gefahren sind, können Sie dies schon im Anhörungsbogen vermerken und so das Fahrverbot abwenden. Hierbei sollten Sie den tatsächlichen Fahrer benennen. Handelt es sich dabei um einen nahen Verwandten, besitzen Sie ein Zeugnisverweigerungsrecht.
  • Bußgeldbescheid prüfen: Bußgeldbescheide sind häufig fehlerhaft. Schätzungen zufolge ist ungefähr jeder Dritte nicht korrekt. Kontrollieren Sie daher die Daten und Angaben auf Ihrem Bescheid sorgfältig auf Fehler. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ziehen Sie einen Rechtsanwalt hinzu. Ein im Verkehrsrecht erfahrener Anwalt kann Sie hierbei bestens unterstützen, da er über viel Erfahrung beim Prüfen von Bußgeldbescheiden verfügt.
  • Einspruch gegen den Bescheid einlegen: Haben Sie von einer Behörde einen Bußgeldgeldbescheid mit einem Fahrverbot erhalten, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie die Einspruchsfrist von zwei Wochen einhalten. Wenn Sie diese Frist verstreichen lassen, ohne Einspruch einzulegen, dürfen Sie nach Fristablauf nicht mehr fahren.
  • Rechtsmittel einlegen: Wenn ein Amtsgericht gegen Sie ein Fahrverbot verhängt hat, haben Sie generell die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen. Verzichten Sie auf Rechtsmittel und haben Sie nicht an der Verhandlung teilgenommen, wird das Fahrverbot eine Woche nach Zustellung des Urteils rechtskräftig. Waren Sie bei der Verkündung des Urteils anwesend, liegt diese Frist bei einer Woche ab Urteilsverkündung. Ein Rechtsanwalt kann Sie umfassend beraten, ob die Einlegung von Rechtsmitteln gegen eine Gerichtsentscheidung sinnvoll ist.
  • Fahrverbot in höheres Bußgeld umwandeln: Im Einzelfall kann manchmal aus beruflichen oder dringenden persönlichen Gründen ein Fahrverbot in ein höheres Bußgeld umgewandelt werden.
  • Zeitraum des Fahrverbots selbst festlegen: Ersttäter können innerhalb einer 4-Monatsfrist oft selbst wählen, wann sie das Fahrverbot antreten möchten. Die Verbotsfrist muss in einem Stück abgewartet werden (Aufteilung nicht möglich).

Fahrverbot und Fahrerlaubnisentzug: Das sind die Unterschiede

Was ist ein Fahrverbot?

Ein Fahrverbot ist eine Nebenstrafe, die zusätzlich zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe verhängt werden kann. Es kann durch ein Gericht oder eine Verwaltungsbehörde angeordnet werden. Wurde Ihnen ein Fahrverbot auferlegt, dürfen Sie Kraftfahrzeuge jeder oder einer bestimmten Art nicht auf öffentlichen Straßen führen.

Abgrenzung zum Fahrerlaubnisentzug

Ein Fahrverbot ist zwar unangenehm, hat aber keine dauerhaften Folgen. Die Entziehung der Fahrerlaubnis verändert jedoch Ihr Leben längerfristig.

Wurde gegen Sie ein Fahrverbot verhängt, geben Sie Ihren Führerschein für bis zu 6 Monate bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde ab. Anschließend erhalten Sie ihn aber ohne weitere Auflagen wieder. Bei einer Entziehung der Fahrerlaubnis verliert dagegen der komplette Führerschein seine Wirkung. Erst nach einer bestimmten Sperrfrist kann es auf Ihren Antrag hin zur Wiedererteilung der Fahrerlaubnis kommen. Dazu ist ein erneuter Besuch der Fahrschule notwendig.

Wann droht ein Fahrverbot?

Geschwindigkeitsüberschreitung: Wenn Sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerorts um 41 km/h oder mehr überschreiten, droht Ihnen ein Fahrverbot. Innerorts ist die Grenze niedriger und beträgt 31 km/h.

Bei einer nachgewiesenen Geschwindigkeitsübertretung zwischen 41 und 60 km/h erhält man außerorts 1 Monat Fahrverbot, bei einer Überschreitung des Tempolimits von 61 bis 70 km/h sind es 2 Monate. 3 Monate Fahrverbot drohen außerhalb geschlossener Ortschaften ab 71 km/h zu viel. Innerorts reicht es aus, jeweils mit 10 km/h weniger unterwegs zu sein, und man wird mit einem genauso langen Fahrverbot belegt.

Wenn Sie binnen eines Jahres zweimal mit 26 km/h über der Geschwindigkeitsbegrenzung oder mehr geblitzt wurden, gelten Sie als Wiederholungstäter. In diesem Fall droht Ihnen bereits mit dieser Geschwindigkeit ein Fahrverbot.

Auch wenn Sie an einem illegalen Autorennen teilnehmen, müssen Sie mit der Verhängung eines Fahrverbots gegen Sie rechnen. Dieses dauert dann 3 Monate.

Abstandsunterschreitung: Wenn Sie mit mehr als 100 km/h unterwegs sind, kann Ihnen bei einem Abstandsverstoß ein Fahrverbot drohen. Sollten Sie weniger Abstand eingehalten haben als 3/10 des halben Tachowertes, müssen Sie den Führerschein für einen Monat abgeben. Sind es nicht einmal 2/10 oder 1/10 des halben Tachos, kommt jeweils ein weiterer Monat hinzu.

rote Ampel überfahren: Wenn Sie einen Rotlichtverstoß begehen und damit eine Sachbeschädigung oder Gefährdung einhergeht, wird ein Fahrverbot von einem Monat gegen Sie verhängt. War die Ampel schon länger als eine Sekunde rot, müssen Sie mit mindestens 1 Monat Fahrverbot rechnen. Wird eine besondere Schwere der Tat festgestellt, beispielsweise weil Sie zusätzlich andere gefährdet haben, kann Ihnen der Führerschein entzogen werden und Sie können sogar eine Freiheitsstrafe erhalten.

Alkohol am Steuer: In Deutschland ist bezüglich Alkohol die 0,5-Promillegrenze einzuhalten. Wenn Sie bei einer Alkoholkontrolle als Fahrer eines Fahrzeugs diesen Wert überschreiten, müssen Sie neben Punkten und einem Bußgeld damit rechnen, mit 1 Monat Fahrverbot belegt zu werden. Wiederholungstätern drohen sogar 3 Monate Fahrverbot. Bei einer Alkoholkonzentration von mehr als 1,1 Promille im Blut kommt es nicht mehr zur Verhängung eines Fahrverbots, sondern zum Entzug der Fahrerlaubnis.

Drogen am Steuer: Dieselbe Abstufung bezüglich des Fahrverbots wie bei Alkohol gilt auch bei Drogen am Steuer. Schon ab dem ersten Vergehen unter dem Einfluss berauschender Mittel droht Ihnen ein Fahrverbot von 1 Monat. Wiederholungstäter müssen auch hier mit 3 Monaten Fahrverbot rechnen.

Fahrerflucht: Fahrerflucht bzw. Unfallflucht bezeichnet der Gesetzgeber als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Dabei handelt es sich um eine Straftat. Abhängig von deren Schwere kann Ihnen nach einer Unfallflucht ein Fahrverbot, der Führerscheinentzug, eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe drohen. Welche Strafe Sie als Unfallflüchtiger im jeweiligen Einzelfall konkret erwartet, entscheidet ein Gericht.

weitere Verkehrsstraftaten: Zu den weiteren Verkehrsstraftaten, die neben einer Geld- oder Freiheitsstrafe typischerweise ein gerichtliches Fahrverbot gegen Sie als Täter nach sich ziehen, gehören Kennzeichenmissbrauch, Nötigung oder Beleidigung im Straßenverkehr, fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung im Straßenverkehr, Gefährdung des Straßenverkehrs sowie Fahren oder Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Das genaue Strafmaß legt auch hier ein Gericht fest.

In welchem Verhältnis stehen Punkte in Flensburg und Fahrverbot zueinander?

Verstöße, die zwei oder mehr Punkte verursachen, ziehen zugleich ein Fahrverbot von mindestens 1 Monat nach sich. Bei einer Verkehrsstraftat, die mit 3 Punkten in Flensburg geahndet wird, wie beispielsweise Fahrerflucht, kann gegen Sie ein Fahrverbot oder der Entzug der Fahrerlaubnis verhängt werden. Die Entscheidung trifft einzelfallabhängig das zuständige Gericht.

Wann müssen Führerscheinneulinge in der Probezeit mit einem Fahrverbot rechnen?

Fahranfängern in der Probezeit droht überall dort ein Fahrverbot, wo auch erfahrene Autofahrer damit rechnen müssen. Wenn Sie als Führerscheinneuling im Laufe der Probezeit dreimal mit einem A-Verstoß auffällig werden, verlieren Sie allerdings Ihre Fahrerlaubnis. Es kommt also zum Führerscheinentzug.

Wann droht Wiederholungstätern ein Fahrverbot?

Haben Sie binnen der letzten beiden Jahre vor dem mit einem Fahrverbot belegten Verkehrsversstoß bereits einmal ein Fahrverbot bekommen, so betrachtet man Sie als Wiederholungstäter. Als Wiederholungstäter können Sie ein Fahrverbot nicht um bis zu 4 Monate verschieben. Es gilt, sobald es rechtskräftig ist.

Bei Wiederholungstätern haben Polizisten stets einen gewissen Ermessensspielraum und können höhere Strafen verhängen als im Bußgeldkatalog ursprünglich vorgesehen. Dazu kann auch ein Fahrverbot zählen. Im Falle wiederholter Überschreitung der Geschwindigkeit hat dies sogar schon im Bußgeldkatalog Berücksichtigung gefunden (siehe oben).

Ein solches Fahrverbot muss nicht immer mit den gleichen erneuten Verstößen begründet werden. Es können auch verschiedenartige Verstöße binnen kurzer Zeit dafür ausreichen. Entscheidend sind Hinweise auf eine gewisse Uneinsichtigkeit.

Wann droht Fahrradfahrern ein Fahrverbot?

Gefährden Sie durch Trunkenheit oder Drogenkonsum auf dem Rad andere, kann das zur Verhängung eines Radfahrverbots gegen Sie führen. Dies gilt insbesondere, wenn alkohol- oder drogentypisches Verhalten bei Ihnen beobachtet werden kann oder Sie einen Unfall verursacht haben. Das Fahrverbot für Fahrräder muss ein Richter anordnen.

Wenn Sie als Radfahrer dauernd Verkehrsregeln missachten und beispielsweise wiederholt über eine rote Ampel fahren, droht Ihnen ein Fahrverbot. Dieses kann für Fahrräder, aber auch für sämtliche weiteren Fahrzeuge gelten, die man im Straßenverkehr führen darf.

Die zuständige Behörde oder ein Gericht kann zudem feststellen, dass Ihnen die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs fehlt, und ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge auf Fahrräder ausdehnen. Man spricht von einem absoluten Fahrverbot. Bei besonders schweren Vergehen ist sogar der Entzug der Fahrerlaubnis zu befürchten. Jedoch darf auch gegen Radler ohne Führerschein ein Fahrverbot für Radfahrer verhängt werden.

Was ist ein ärztliches Fahrverbot?

Ärzte können ein ärztliches Fahrverbot gegen Sie als Autofahrer verhängen, wenn Ihr Gesundheitszustand zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden könnte oder medizinische Einschränkungen bereits zu auffälligem Fahrverhalten geführt haben. Das ärztliche Fahrverbot ist so lange zu befolgen, bis die Ursache dafür nicht mehr besteht. Aus diesem Grund sind wiederholte Fahrtauglichkeitsuntersuchungen durchaus zu empfehlen.

Im Gegensatz zu einem durch eine Behörde oder ein Gericht auferlegten Fahrverbot ist das ärztliche Fahrverbot nicht rechtsverbindlich. Das heißt, Ihnen droht bei einer Missachtung keine Strafe. Verursachen Sie allerdings aufgrund eines Verstoßes gegen das Fahrverbot einen Verkehrsunfall, kann dies eine Geld- oder Freiheitsstrafe wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und den Verlust Ihres Versicherungsschutzes zur Folge haben.

Dauer des Fahrverbots

Dauer Fahrverbot

Im Regelfall dauert ein Fahrverbot 1 bis 3 Monate. Wenn sich aber in einem Gerichtsverfahren zeigt, dass es sich bei dem begangenen Vergehen um eine Straftat handelt, kann als Nebenstrafe auch ein Fahrverbot von 6 Monaten verhängt werden.

In welchen Fällen dauert das Fahrverbot …

… 1 Monat?

         o    Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts ab 26 km/h

         o    Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts ab 31 km/h

         o    Abstandsunterschreitung bei über 100 km/h (weniger als 3/10 des halben Tachos)

         o    einfacher Rotlichtverstoß mit Gefährdung oder Unfallfolge

         o    qualifizierter Rotlichtverstoß

         o    Alkohol am Steuer (als Ersttäter)

         o    Drogen am Steuer (als Ersttäter)

… 2 Monate?

        o    Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts ab 41 km/h

        o    Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts ab 51 km/h

        o    Abstandsunterschreitung bei über 100 km/h (weniger als 2/10 des halben Tachos)

… 3 Monate?

        o    Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts ab 51 km/h

        o    Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts über 60 km/h

        o    Abstandsunterschreitung bei über 100 km/h (weniger als 1/10 des halben Tachos)

        o    Alkohol am Steuer (als Wiederholungstäter)

        o    Drogen am Steuer (als Wiederholungstäter)

… 6 Monate?

        o    Fahrverbot bei Strafsachen wie Fahrerflucht oder unterlassener Hilfeleistung

  • Länge eines Fahrverbotsmonats: Ein einmonatiges Fahrverbot hat eine Dauer von einem Kalendermonat. Als kürzester Monat ist der Februar deshalb am besten geeignet, um ein Fahrverbot abzusitzen.
  • Beginn und Ende des Fahrverbots: Mit Abgabe der Führerscheindokumente in amtliche Verwahrung tritt man das Fahrverbot wirksam an. Ist die Verbotsfrist abgelaufen, bekommt man seinen Führerschein automatisch zurück und darf wieder am Straßenverkehr teilnehmen.

Fahren trotz Fahrverbot

Welche Fahrzeuge umfasst das Fahrverbot?

Müssen Sie ein Fahrverbot absitzen, dürfen Sie keinerlei Kraftfahrzeuge mehr führen. Dazu zählen ausdrücklich auch Mofas, Fahrräder mit Hilfsmotor, E-Bikes sowie E-Scooter. Fahrrad zu fahren ist jedoch trotz Fahrverbot im Regelfall erlaubt.

Welche Strafen drohen im Falle einer Missachtung?

Wenn Sie sich nicht an ein Fahrverbot halten, fahren Sie, ohne im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis zu sein. Das stellt eine Straftat dar. Diese wird mit 3 Punkten in Flensburg, dem Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens 6 Monate, einer hohen Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet.

Häufig wird allerdings von Fahrlässigkeit ausgegangen und eine abgemilderte Strafe von maximal 6 Monaten Freiheitsstrafe kommt zur Anwendung. Darüber hinaus kann bei der Missachtung eines Fahrverbots zusätzlich sogar das Tatfahrzeug eingezogen werden.

Rechtstipps zu "Fahrverbot"