Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Bußgeld wegen Geschwindigkeits­überschreitung: So gehen Sie richtig vor!

Die wichtigsten Fakten

  • In Deutschland beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften 50 km/h
  • Außerorts sind maximal 100 km/h auf Straßen erlaubt, die durch keinen Mittelstreifen getrennt sind oder mindestens zwei Fahrstreifen aufweisen.
  • Auf deutschen Autobahnen besteht grundsätzlich kein gesetzlich festgelegtes Tempolimit, jedoch gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.
  • Bei Geschwindigkeitsmessungen wird eine Toleranz vom festgestellten Wert abgezogen: in der Regel 3 km/h bei unter 100 km/h, darüber 3 Prozent von der gemessenen Geschwindigkeit.
  • Wenn Sie mindestens 21 km/h mehr als erlaubt innerorts oder mindestens 26 km/h mehr als erlaubt außerorts fahren, droht Ihnen bei einem ab 28. April 2020 begangenen Verstoß ein einmonatiges Fahrverbot.
  • In unseren europäischen Nachbarländern sind die Bußgelder teilweise deutlich höher als in Deutschland und können in der EU länderübergreifend vollstreckt werden.

Welche Höchstgeschwindigkeit ist zulässig?

Ausschlaggebend für Tempolimits ist § 3 Straßenverkehrsordnung (StVO). Dort wird eine grundlegende Unterscheidung zwischen innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften getroffen.

Nach dieser gesetzlichen Regelung gilt für Pkw innerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Innerhalb besonderer Zonen muss wegen Lärmschutz oder der Verkehrssicherheit eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h eingehalten werden. Man spricht von verkehrsberuhigten 30er-Zonen. Diese werden im Falle einer Geschwindigkeitsübertretung aber genauso behandelt wie Hauptstraßen. Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts werden besonders hart bestraft.

Außerorts können die Straßen oft besser eingesehen werden und es nehmen deutlich weniger Fußgänger und Radfahrer am Straßenverkehr teil. Daher ist dort eine höhere Geschwindigkeit erlaubt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften liegt für Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bei 100 km/h. Pkw mit Anhänger müssen eine maximal erlaubte Geschwindigkeit von 80 km/h einhalten.

Auf Autobahnen kommt es ebenfalls oft zu Geschwindigkeitsüberschreitungen. Jedoch besteht auf Autobahnen in Deutschland keine gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Stattdessen spricht man lediglich von einer Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Diese stellt jedoch nur einen unverbindlichen Richtwert dar.

Im Falle schlechter Sicht oder komplizierter Verkehrs-, Straßen- oder Wetterverhältnisse müssen Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit verringern. Wenn die Sichtweite nicht geringer als 50 Meter ist, gilt gemäß Straßenverkehrsordnung eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

Wie wird eine Geschwindigkeitsüberschreitung gemessen?

Um Verkehrsteilnehmern Tempoüberschreitungen nachzuweisen, muss die Einhaltung der Geschwindigkeit überprüft werden. Bei einer Geschwindigkeitskontrolle wird im Regelfall außerdem der Abstand gemessen. Auf diese Weise können auch Abstandsverstöße erkannt werden.

Um die Geschwindigkeit zu kontrollieren, stehen der Polizei unterschiedliche Messgeräte zur Verfügung. Diese können wahlweise stationär oder mobil eingesetzt werden. Obwohl man umgangssprachlich von Blitzern spricht, erfolgt die Messung der Geschwindigkeit manchmal auch ohne Blitz. Ausschlaggebend ist die jeweilige Technik, die dabei zum Einsatz kommt. Neben der oft verwendeten Radarkontrolle gibt es u. a. auch die Möglichkeit der Laser- oder Videomessung.

Blitzer sind oft an Gefahrenpunkten, unfallträchtigen Straßenabschnitten oder anderen Stellen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial zu finden. Hierzu zählen u. a.:

  • Baustellen
  • Schulen
  • Kindergärten
  • Spielstraßen
  • kurvenreiche Strecken
  • gefährliche Einmündungen
 
Um womöglich vorhandenen Ungenauigkeiten der Geräte Rechnung zu tragen, wird bei der Geschwindigkeitsmessung stets eine Toleranz abgezogen. Bei einer gemessenen Geschwindigkeit von höchstens 100 km/h erfolgt ein Toleranzabzug von 3 km/h. Bei einer festgestellten Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h werden 3 Prozent Toleranz abgezogen.

Welche Strafen drohen Pkw-Fahrern bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung?

Je höher die festgestellte Geschwindigkeit, desto empfindlicher fallen die Strafen aus, mit denen Verkehrssünder rechnen müssen. Im Falle einer Tempoüberschreitung von weniger als 21 km/h kommt es noch nicht zur Verhängung eines Bußgelds. Man erhält stattdessen ein Verwarnungsgeld. Das heißt, Verkehrssünder müssen einen Betrag von höchstens 55 Euro bezahlen.

Binnen einer Woche muss der geforderte Betrag überwiesen werden. Hält man diese Frist nicht ein, so kommt es zur Eröffnung eines Bußgeldverfahrens durch die Behörden. Man erhält einen Bußgeldbescheid und muss nun zusätzlich noch Gebühren von 28,50 Euro tragen.

Punkte im Flensburger Fahreignungsregister drohen Verkehrssündern innerorts ab 21 km/h Geschwindigkeitsübertretung und außerorts ab 26 km/h Geschwindigkeitsübertretung.

Ein Fahrverbot von einem Monat droht bei einem nach dem 28. April 2020 festgestellten Geschwindigkeitsverstoß zudem schon ab 21 km/h Überschreitung innerorts bzw. 26 km/h außerorts.

Drei Monate Fahrverbot hat man im äußersten Fall innerorts ab 61 km/h zu viel zu befürchten, hinzu kommen laut Bußgeldkatalog zwei Punkte sowie ein Bußgeld von 480 Euro.

Außerorts wird ein dreimonatiges Fahrverbot ab 70 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit verhängt. Zusätzlich erhält man ein Bußgeld von 600 Euro und zwei Punkte im Fahreignungsregister.

Bußgeldkatalog Geschwindigkeitsüberschreitung mit Pkw

gültig für Verstöße ab 28. April 2020

Geschwindigkeitsüberschreitung Pkw innerortsBußgeldFahrverbotPunkte
bis 10 km/h15 €keineskeine
11–15 km/h50 €keineskeine
16–20 km/h70 €keineskeine
21–25 km/h80 €1 Monat1
26–30 km/h100 €1 Monat1
31–40 km/h160 €1 Monat2
41–50 km/h200 €1 Monat2
51–60 km/h280 €2 Monate2
61–70 km/h480 €3 Monate2
über 70 km/h680 €3 Monate2
Geschwindigkeitsüberschreitung Pkw außerortsBußgeldFahrverbotPunkte
bis 10 km/h20 €keineskeine
11–15 km/h40 €keineskeine
16–20 km/h60 €keineskeine
21–25 km/h70 €keines1
26–30 km/h80 €1 Monat1
31–40 km/h120 €1 Monat1
41–50 km/h160 €1 Monat2
51–60 km/h240 €1 Monat2
61–70 km/h440 €2 Monate2
über 70 km/h600 €3 Monate2

Wann wird Verkehrsteilnehmern bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung Vorsatz unterstellt?

Die Regelsätze des Bußgeldkatalogs für Geschwindigkeitsüberschreitungen können sich auch noch deutlich erhöhen. Dies ist dann der Fall, wenn die Behörden dem Verkehrssünder Vorsatz unterstellen.

Das hohe Ausmaß der Geschwindigkeitsübertretung kann ein Indiz für Vorsatz sein. Bei einer Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit von 40 Prozent oder mehr wird regelmäßig Vorsatz angenommen. Laut Bußgeldkatalog kann sich in diesem Fall das Bußgeld verdoppeln.

Allerdings ist die Rechtsprechung in diesem Bereich nicht vollkommen einheitlich. In den Augen mancher Gerichte müssen, damit tatsächlich Vorsatz vorliegt, weitere Umstände hinzukommen. Hierzu zählen u. a.: 

  • wiederholte Hinweise auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit

  • Abbremsen eines Ortskundigen bei Erreichen eines Blitzers

  • große Fahrpraxis des Verkehrssünders

  • vom Sünder eingeräumter Termindruck

  • seine Einsichtsfähigkeit

Was passiert, wenn man wiederholt die Geschwindigkeit deutlich überschreitet?

Wer mehrfach eine Verkehrsregel nicht einhält, muss oftmals mit einer deutlich härteren Bestrafung, das heißt, einem längeren Fahrverbot, rechnen. Dies gilt neben Alkohol- und Drogendelikten im Straßenverkehr u. a. auch bei Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Laut § 4 Abs. 2 Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV) droht bei wiederholten Geschwindigkeitsverstößen ein zusätzlicher Monat Fahrverbot. Bei einem wiederholten Geschwindigkeitsverstoß  von mindestens 26 km/h innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft der letzten Entscheidung droht danach ein einmonatiges Fahrverbot. 

Ab 28. April 2020 droht dieses jedoch bereits ab einer Überschreitung von 21 km/h innerorts und 26 km/h außerorts. Das Verhältnis der genannten Regelungen ist deshalb unklar.

Welche Besonderheiten gelten bei Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Probezeit?

Bei Fahranfängern in der Probezeit kann es im Falle einer Tempoüberschreitung zusätzlich zur Bestrafung laut Bußgeldkatalog zur Verhängung von Probezeitmaßnahmen kommen. Das Missachten der Geschwindigkeitsbegrenzung kann als schwerwiegender Verstoß (A-Verstoß) eingestuft werden.

In diesem Fall kann eine Verlängerung der Probezeit auf vier Jahre erfolgen und die Teilnahme an einem Aufbauseminar verlangt werden. Kommt es zu einem zweiten A-Verstoß, erhalten die Fahranfänger eine Verwarnung sowie die Empfehlung, an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen. Ein dritter schwerwiegender Verstoß hat dann den Entzug der Fahrerlaubnis als Konsequenz.

Mit Probezeitmaßnahmen muss man jedoch erst ab 21 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung mit einem Pkw bzw. 15 km/h mit einem Lkw rechnen. Liegt lediglich ein Geschwindigkeitsverstoß im Bereich des Verwarnungsgeldes vor, handelt es sich noch um keinen A-Verstoß.

Was gilt bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung mit dem Lkw bzw. Pkw mit Anhänger?

Für Lkw ist der oben zu findende Auszug aus dem Bußgeldkatalog nicht gültig. Wegen des hohen Gewichts und des daher größeren Gefahrenpotenzials drohen bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung mit dem Lkw oder einem Fahrzeug mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht drastischere Strafen. Dieser Bußgeldkatalog für Lkw ist auch für Pkw mit Anhänger anzuwenden.

Da Anhänger ohne Sondererlaubnis nur 80 km/h fahren dürfen, kann es schnell passieren, dass man mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs ist. Wird Fahrern solcher Gespanne außerorts eine Geschwindigkeit von 100 km/h nachgewiesen, erhalten sie neben einem Bußgeld von 70 Euro einen Punkt in Flensburg. Ein Fahrverbot wird gegen Fahrzeugführer von Pkw mit Anhänger außerhalb geschlossener Ortschaften bereits dann verhängt, wenn diese 111 km/h gefahren sind.

Womit muss man bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung im europäischen Ausland rechnen?

Verglichen mit unseren europäischen Nachbarstaaten fallen die Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen in Deutschland noch relativ moderat aus. Daher sollte man sich vor einer Reise mit dem Auto ins europäische Ausland unbedingt über die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten informieren.

In Frankreich beispielsweise kann das Bußgeld aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung bis zu 1.500 Euro betragen. Schon wenn man mit 1 km/h mehr als erlaubt geblitzt wird, droht ein Bußgeld von 45 Euro.

Auch in Österreich kann eine Geschwindigkeitsüberschreitung richtig teuer werden. Wer dort mit mehr als 50 km/h die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hat, der muss mit einem hohen Bußgeld von bis zu 2.180 Euro rechnen.

Wie reagiert man auf einen Bußgeldbescheid aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung?

Lassen Sie zunächst immer die Möglichkeit eines Einspruchs gegen den Bußgeldbescheid prüfen. Gerade bei Geschwindigkeitsüberschreitungen kommt es häufig zu Fehlern, weil Messgeräte zum Beispiel falsch bedient wurden oder Geschwindigkeitsbeschränkungen gar nicht galten.

Bei einem Einspruch ist unbedingt die Frist von zwei Wochen ab der Zustellung zu beachten. Innerhalb dieser Frist muss der Einspruch schriftlich oder zur Niederschrift bei der Verwaltungsbehörde, die den Bußgeldbescheid erlassen hat, eingelegt worden sein. Wird die Frist versäumt, ist ein Vorgehen nicht mehr so einfach möglich, jedoch nicht von vornherein ausgeschlossen. Um die Chancen eines solchen Vorgehens auszuloten, sollten Autofahrer einen erfahrenen Rechtsanwalt für Verkehrsrecht beauftragen.

Treffen die gemachten Vorwürfe hinsichtlich der Geschwindigkeitsüberschreitung zweifelsfrei zu, sollten Verkehrssünder die im Bußgeldbescheid genannte Geldstrafe rechtzeitig per Überweisung unter Angabe des Aktenzeichens begleichen. Andernfalls erhalten sie sechs Wochen nach Ablauf der Zahlungsfrist eine Mahnung inklusive einer zusätzlichen Mahngebühr von fünf Euro.

Rechtstipps zu "Geschwindigkeitsüberschreitung"