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Strafrecht – Rechte, Verteidigung und Verfahrensablauf

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Strafrecht

Sie sind als Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungsbehörden geraten? Ob unschuldig oder nicht, jetzt gilt es, trotz der emotionalen Belastung Fehler zu vermeiden. Vielmehr benötigen Sie anwaltliche Verteidigung, um den für Sie optimalen Verfahrensausgang zu erreichen.

Die wichtigsten Fakten

  • Wenn Sie als Beschuldigter nicht aussagen möchten, darf das nicht zu Ihrem Nachteil gewertet werden.
  • Je nach Situation entwickelt Ihr Rechtsanwalt die passende Strategie zu Ihrer Verteidigung. 
  • Im Ermittlungsverfahren ist die Chance am größten, dass die Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen Sie einstellt.
  • Gelingt es nicht, den Tatvorwurf zu entkräften, eröffnet das Gericht das Hauptverfahren gegen Sie. 
  • Wird Ihnen eine kleinere Straftat vorgeworfen, kommt der Erlass eines Strafbefehls ohne Hauptverhandlung in Betracht. 

So gehen Sie vor

  1. Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt, sobald Sie erfahren, dass gegen Sie ein Ermittlungsverfahren läuft.
  2. Machen Sie als Beschuldigter von Ihrem Schweigerecht Gebrauch. 
  3. Lassen Sie von Ihrem Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte nehmen, um sich über den Stand des Ermittlungsverfahrens zu informieren.
  4. Besprechen Sie mit Ihrem Strafverteidiger die schriftliche Stellungnahme für die Staatsanwaltschaft.
  5. Greifen Sie mit anwaltlicher Hilfe die Schwächen der Beweismittel an und versuchen Sie die Einstellung des Verfahrens zu erreichen.

Schweigerecht kennen

Entweder man ertappt Sie auf frischer Tat oder Sie erfahren spätestens mit der Post, dass gegen Sie ein Ermittlungsverfahren läuft. Unterdrücken Sie jetzt das Verlangen, selbst den Hörer in die Hand zu nehmen und sich zu erklären oder zu rechtfertigen. Menschen, die von ihrer Unschuld überzeugt sind, neigen dazu, alles sofort richtigstellen zu wollen. Betroffene begehen dabei fatale Fehler, die später vom Strafverteidiger nur schwer zu korrigieren sind.

Vernimmt Sie die Polizei als Beschuldigter, können Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen. Sie sind zwar verpflichtet, Angaben zu Ihrer Person zu machen, wie die Nennung von Namen, Anschrift, Geburtsort und Beruf, können aber Angaben zur Sache unterlassen. Das heißt, Sie sind nicht verpflichtet, gegen sich selbst auszusagen.

Nehmen Sie Ihr Schweigerecht wahr, dürfen Ihnen dadurch keine Nachteile entstehen. Es ist Ihr gutes Recht und Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen.

Baldmöglichst anwaltliche Beratung beanspruchen

Zögern Sie nicht, Ihren Strafverteidiger so früh wie möglich mit der Verteidigung zu beauftragen. Als Beschuldigter haben Sie stets das Recht, in jedem Teil des Verfahrens einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Selbst während der ersten Vernehmung verfügen Sie über dieses Recht. Äußern Sie diesen Wunsch, darf die Vernehmung nicht fortgeführt werden. Einzige Ausnahme: Sie stimmen ausdrücklich zu.

Erhalten Sie ein entsprechendes Schreiben, sollten Sie zuallererst einen Anwalt aufsuchen und sich beraten lassen. Angaben zur Sache gegenüber der Polizei oder anderen Strafverfolgungsbehörden sollten Sie nicht ohne vorherige Beratung machen.

Was passiert im Ermittlungsverfahren?

Im Stadium des Ermittlungsverfahrens besteht noch die beste Chance, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellt. Hat die Staatsanwaltschaft erst einmal Anklage erhoben, sind viele Chancen vertan.

Die Verteidigung im Ermittlungsverfahren beginnt mit der Akteneinsicht. Ein Beschuldigter hat – wenn er keinen Rechtsanwalt hat – kein Recht auf Akteneinsicht. Diese Ermittlungsakte ist eine Sammlung aller Dokumente und Beweismittel eines Falles, den die Ermittlungsbehörden aufklären wollen. In ihr befinden sich insbesondere die Protokolle aller Zeugenaussagen, die Aussagen der Beschuldigten und tatrelevante Fotos.

Mit Kenntnis der Ermittlungsakte weiß Ihr Verteidiger genau, auf welchem Stand die Ermittlungsbehörde ist. Er kann so einschätzen, ob die Staatsanwaltschaft genügend Beweismittel in der Hand hat, um Sie zu überführen.

Nach der Akteneinsicht schreibt der Rechtsanwalt üblicherweise nach vorheriger Rücksprache mit Ihnen an die Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme. Diese kann neben Ihrer Äußerung zum Anklagevorwurf Beweise enthalten, die Sie entlasten, wie zum Beispiel Zeugen.

Nach Abgabe der Stellungnahme nimmt der Rechtsanwalt in der Regel telefonischen Kontakt mit der Staatsanwaltschaft auf und verhandelt über die Einstellung des Verfahrens. Scheidet eine Einstellung ohne Auflagen aus, versucht der Anwalt eine Einstellung mit Auflagen zu erreichen. Das heißt, es kommt nicht zur Anklage oder zum Strafbefehl, wenn der Angeklagte bestimmte Bedingungen, wie die Zahlung eines bestimmten Geldbetrags, erfüllt.

Sperrt sich die Staatsanwaltschaft gegen eine Einstellung, bleibt noch die Option einer Überleitung in das Strafbefehlsverfahren. Ihr Strafverteidiger kann Sie dazu ausführlich beraten.

Die Statistik belegt, dass nur 12 Prozent der Ermittlungsverfahren zur Anklage kommen:

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Quelle: Statistisches Bundesamt
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Strafrecht

Sind Sie als Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungsbehörden geraten, sollten Sie trotz der emotionalen Belastung Fehler vermeiden.

Lassen Sie sich im Strafrecht beraten!

Wie läuft ein Strafbefehlsverfahren ab?

Hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen und glaubt, Sie als Beschuldigten überführen zu können, kann sie, wenn es sich um einen weniger schwerwiegenden Fall handelt, einen Strafbefehl erlassen.

Das Strafbefehlsverfahren weist folgende Besonderheiten auf:

  • Es handelt sich um ein vereinfachtes, rein schriftliches Verfahren.
  • Es gibt somit keine Hauptverhandlung.
  • Die Staatsanwaltschaft stellt einen Antrag an das zuständige Gericht, einen Strafbefehl gegen Sie zu erlassen.
  • Wenn das Gericht diesem Antrag zustimmt, bekommen Sie per Brief einen Strafbefehl.
  • Auf diese Weise erspart es Ihnen als Beschuldigten unter Umständen einen demütigenden öffentlichen Prozess.

Wie gestaltet sich das Hauptverfahren?

Hält das Gericht die Anklage für begründet, eröffnet es das Hauptverfahren. Spätestens in diesem Stadium des Verfahrens sollten Sie einen Rechtsanwalt als Verteidiger hinzuziehen, wenn Sie noch eine Einstellung des Verfahrens erreichen wollen. Ihr Rechtsanwalt wird dann je nach Verfahrenssituation entscheiden, wie er das Verfahren gestaltet, entweder als Konfliktverteidiger oder als Konsensualverteidiger.

Konfliktverteidiger sind durch folgende Arbeitsweise gekennzeichnet:

  • stellen viele Verfahrensanträge
  • rügen Verfahrensfehler des Gerichts
  • wollen sich in der nächsten Stufe des Verfahrens Möglichkeiten offenhalten, das Urteil zu Ihren Gunsten zu korrigieren
Konsensualverteidiger gehen üblicherweise wie folgt vor:
 
  • bauen auf die Zusammenarbeit mit dem Gericht
  • erwarten im Gegenzug ein Entgegenkommen des Gerichts

Konsensual- und Konfliktverteidigung können auch kombiniert werden. Da kein Fall dem anderen gleicht, entwickelt Ihr Rechtsanwalt eine individuelle Verteidigungsstrategie für Ihr Verfahren.

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Lassen Sie sich im Strafrecht beraten!

Was versteht man unter einem Pflichtverteidiger?

Wirft man Ihnen schwere Straftaten vor oder droht Ihnen sonst eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr, so haben Sie einen Anspruch auf einen Pflichtverteidiger. Dasselbe gilt, wenn Sie in Untersuchungshaft genommen werden oder sonst nicht in der Lage sind, sich ordnungsgemäß zu verteidigen.

Pflichtverteidiger bedeutet, dass Sie einen Rechtsanwalt wählen können und dieser seine Kosten mit der Staatskasse abrechnet. In Falle einer Verurteilung müssen Sie diese Kosten allerdings grundsätzlich erstatten. Wählen Sie nach Aufforderung des Gerichts selbst keinen Pflichtverteidiger, sucht das Gericht einen für Sie aus. 

Von
Boris Christof Böhm
anwalt.de-Redaktion