Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Kündigung des Arbeitsverhältnisses: Wann gilt die Kündigung als wirksam?

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Arbeitsrecht

Eine Kündigung ist für Sie als Arbeitnehmer meistens erstmal ein Schock. Vom Arbeitgeber zu schnell ausgesprochen, ist eine Kündigung aber so gut wie immer unwirksam. Wurde Ihnen das Arbeitsverhältnis gekündigt, sollten Sie sich darüber ausführlich informieren, was der Wirksamkeit Ihrer Kündigung – neben dem Kündigungsschutz – noch entgegenstehen kann.

Die wichtigsten Fakten

  • Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses muss stets schriftlich erfolgen.
  • Das Kündigungsschreiben muss vom Arbeitgeber unterschrieben sein.
  • Eine Kündigung in mündlicher und elektronischer Form ist unwirksam.
  • Es gibt verschiedene Kündigungsarten: die außerordentliche und die ordentliche Kündigung.
  • Bestimmte Arbeitnehmer sind besonders vor Kündigung geschützt, z. B. Schwangere, Betriebsratsmitglieder, Schwerbehinderte oder Mitarbeiter in Elternzeit.

So gehen Sie vor

  1. Achten Sie besonders auf Ihre Post, wenn Sie eine Kündigung erwarten.
  2. Weisen Sie eine Kündigung immer zurück, wenn sie nicht vom Arbeitgeber stammt.
  3. Vereinbaren Sie einen Termin bei einem Anwalt, der Sie bei Erhalt einer Kündigung und dem weiteren Vorgehen kompetent unterstützen kann.
  4. Spätestens 3 Wochen nach Erhalt des Kündigungsschreibens ist eine Kündigungsschutzklage zu erheben.

In welchen Fällen ist eine Kündigung immer unwirksam?

Haben Sie als Arbeitnehmer die Kündigung erhalten? Im ersten Moment ist dies erstmal ein Schock für Sie. Es heißt aber noch lange nicht, dass eine Kündigung auch wirksam ist.

Kündigungen können aus vielen Gründen unwirksam sein:

  • Die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses muss schriftlich erfolgen. Ihr Arbeitgeber muss die Kündigung eigenhändig unterschreiben. Mündlich ausgesprochene Kündigungen sind unwirksam. Ebenso ausgeschlossen ist die Beendigung des Arbeitsverhältnisses per WhatsApp, Fax, E-Mail oder SMS.
  • Werden Sie durch einen Mitarbeiter gekündigt, muss der Arbeitgeber ihn dazu bevollmächtigt haben. Ist dies nicht der Fall, weisen Sie die Kündigung sofort zurück.
  • Ein Kündigungsschreiben muss unmissverständlich als Kündigung zu erkennen sein, d. h. das Kündigungsschreiben muss den Briefkopf Ihres Unternehmens tragen. Des Weiteren muss ersichtlich sein, zu welchem Zeitpunkt das Arbeitsverhältnis enden soll.
  • Eine weitere wichtige Wirksamkeitsvoraussetzung ist der tatsächliche Erhalt der schriftlichen Kündigung. Das heißt, der Arbeitgeber oder eine von ihm dazu bestimmte Person muss Ihnen die Kündigung übergeben haben. Oder sie muss in Ihrem Briefkasten landen. Die Kündigung gilt dann spätestens am nächsten Werktag als zugegangen, auch wenn Sie keinen Blick in den Briefkasten werfen. Die Kündigung einfach zu ignorieren, verhindert den Zugang nicht.
  • Urlaub oder Krankheit eines Mitarbeiters hindern den Arbeitgeber nicht daran, ihm zu kündigen. Sind Sie verreist oder liegen im Krankenhaus und rechnen Sie mit einer Kündigung, lassen Sie regelmäßig Ihren Briefkasten durch eine weitere Person kontrollieren.
  • Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss der Arbeitgeber ihn zwingend vor dem Ausspruch einer Kündigung anhören. Und er muss dem Betriebsrat die Kündigungsgründe mitteilen, denn ohne Anhörung ist die Kündigung unwirksam.

Welche Kündigungsarten gibt es?

Das Arbeitsrecht unterscheidet folgende Kündigungsarten:

  • die außerordentliche Kündigung ohne und mit Kündigungsfrist
  • die ordentliche Kündigung mit Kündigungsfrist

Außerordentliche Kündigung nur mit wichtigem Grund

Wird eine außerordentliche Kündigung ausgesprochen, ist keine Kündigungsfrist zu beachten. Sie wird deshalb oft als fristlose Kündigung bezeichnet. Die außerordentliche Kündigung kann jedoch mit Angabe einer Kündigungsfrist erfolgen.

Auf jeden Fall muss der Arbeitgeber einen wichtigen Grund für die Kündigung angeben. Durch eine außerordentliche Kündigung wird in der Regel das Arbeitsverhältnis sofort aufgelöst. Ohne eine vorherige erfolglose Abmahnung ist eine außerordentliche Kündigung in der Regel unwirksam.

Ausnahmsweise ist keine vorherige Abmahnung im Falle von Straftaten notwendig, wie z. B. bei

  • Diebstahl im Arbeitsverhältnis
  • Betrug zulasten des Arbeitgebers
  • schwerer Beleidigung von Vorgesetzten
  • Körperverletzung von Mitarbeitern
  • sexueller Belästigung
  • Verrat von Geschäftsgeheimnissen

Eine Kündigung ist auch wegen des Verdachts einer Straftat zulässig. Allerdings gelten für die Wirksamkeit einer solchen Verdachtskündigung hohe Hürden. Der Arbeitgeber muss den Sachverhalt soweit wie möglich aufklären. Unverzichtbar dabei ist, dass er den Arbeitnehmer anhört. Ergibt sich daraus ein dringender Tatverdacht, ist die Kündigung möglicherweise wirksam.

Ordentliche Kündigung nur mit Kündigungsfrist

Bei einer ordentlichen Kündigung muss der Arbeitgeber die einschlägige Kündigungsfrist einhalten. Mit Ablauf dieser Frist soll das Arbeitsverhältnis enden – allerdings nur, wenn der Arbeitgeber die richtige Kündigungsfrist angegeben hat. Oft muss diese der gesetzlichen Kündigungsfrist entsprechen. Je länger das Arbeitsverhältnis bestanden hat, desto länger ist danach die Kündigungsfrist. Diese kann sich auch aus dem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben.

Bei einer ordentlichen Kündigung muss der Arbeitgeber zudem einen Kündigungsgrund angeben, wenn das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist – sonst nicht. Keinen Kündigungsgrund braucht der Arbeitgeber für eine Kündigung während der Probezeit. Achten Sie deshalb besonders darauf, ob Sie die Kündigung noch in Ihrer Probezeit erhalten haben. Maximal 6 Monate Probezeit sind zulässig. Zu Beginn eines Ausbildungsverhältnisses ist eine Probezeit von 4 Monaten vorgeschrieben.

Kündigung Wirksamkeit prüfen

Kündigung jetzt prüfen

Die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses müssen Sie nicht einfach so hinnehmen.

Prüfen Sie jetzt Ihre Kündigung

Wie kann eine Kündigung begründet werden?

Kündigungen erfolgen oft als

  • verhaltensbedingte Kündigung
  • personenbedingte Kündigung
  • betriebsbedingte Kündigung

Verhaltensbedingte Kündigung

Diese Art der Kündigung liegt bei einem Fehlverhalten eines Arbeitnehmers vor, das er beeinflussen konnte. Regelmäßig kommt es zu einer verhaltensbedingten Kündigung, wenn Sie Ihre „arbeitsvertraglichen Pflichten“ und Treuepflichten erheblich und grundlos missachten. Trifft man Sie beispielsweise trotz Krankschreibung beim Feiern oder kommen Sie immer wieder unentschuldigt nicht oder zu spät zur Arbeit, müssen Sie mit einer verhaltensbedingten Kündigung rechnen.

Entscheidend für eine wirksame verhaltensbedingte Kündigung ist zumeist die konkrete vorherige Abmahnung wegen des Fehlverhaltens durch den Arbeitgeber. Gegen diese muss der Arbeitnehmer anschließend verstoßen haben.

Personenbedingte Kündigung

Im Gegensatz zur verhaltensbedingten Kündigung kann der Arbeitnehmer sein Verhalten bei der personenbedingten Kündigung nicht ändern. Sie droht besonders, wenn ein Arbeitnehmer dauerhaft nicht mehr arbeiten kann. Häufigster personenbedingter Kündigungsgrund ist eine schwere Krankheit. In diesem Fall spricht man von einer krankheitsbedingten Kündigung. Für die Wirksamkeit einer krankheitsbedingten Kündigung ist Folgendes entscheidend:

  • Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass Sie Ihre bisherige Arbeit auf Dauer nicht mehr ausüben können. Bezeichnet wird das als negative Gesundheitsprognose.
  • Der Arbeitsablauf im Betrieb ist wegen der krankheitsbedingten Ausfälle gestört.
  • Vor der Kündigung muss der Arbeitgeber ein betriebliches Eingliederungsmanagement – kurz BEM – veranlassen. Ohne dem ist die Kündigung unwirksam.

Betriebsbedingte Kündigung

Diese Art der Kündigung bedeutet, dass Ihr Arbeitsplatz aufgrund von betrieblichen Einsparungen bzw. Umstrukturierungen wie der Schließung Ihres Betriebs bzw. Ihrer Filiale wegfällt. Der Arbeitgeber ist vor Aussprache der Kündigung dazu verpflichtet zu überprüfen, ob Ihnen ein anderer Arbeitsplatz im Unternehmen für Sie infrage kommt.

Der Arbeitgeber muss eine ordnungsgemäße Sozialauswahl treffen, d. h., er kann nicht einen unbeliebten Angestellten entlassen. Zu kündigen ist in der Regel dem am wenigsten schutzbedürftigten Arbeitnehmer, beispielsweise einer alleinstehenden Person ohne Kinder mit einer geringen Betriebszugehörigkeitsdauer.

Kündigung Wirksamkeit prüfen

Kündigung jetzt prüfen

Die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses müssen Sie nicht einfach so hinnehmen.

Prüfen Sie jetzt Ihre Kündigung

Wann gilt der Kündigungsschutz?

Bestimmte Mitarbeiter sind nur schwer kündbar, weil Gesetze sie besonders vor einer ordentlichen Kündigung schützen. Diesen sogenannten Sonderkündigungsschutz gibt es in folgenden Fällen:

Wann gilt der Sonderkündigungsschutz?Wichtig zu wissen
Schwerbehinderung oder GleichstellungDie Gleichstellung können Sie bei einem Behinderungsgrad von 30 bis 49 bei der Agentur für Arbeit beantragen. Ihr Arbeitgeber muss vor der Kündigung die Zustimmung des Integrationsamts einholen.
SchwangerschaftGilt nur, wenn Ihr Arbeitgeber spätestens 2 Wochen nach Zugang der Kündigung von Ihrer Schwangerschaft weiß.
MutterschutzGilt bis zu vier Monate nach der Entbindung.
ElternzeitGilt bereits 8 Wochen vor dem Beginn der Elternzeit bis zu ihrer Beendigung bei einem Kind unter 3 Jahren. Bei einem Kind zwischen 3 und 8 Jahren sind es sogar 14 Wochen statt 8 Wochen, sofern das Kind nach dem 1.7.2015 geboren wurde.
PflegezeitGilt bereits 12 Wochen vor dem Beginn der Pflegezeit bis zu ihrer Beendigung.
Betriebsrats- oder Personalratsmitglied, Schwerbehinderten- oder Ausbildungsvertreter, DatenschutzbeauftragterGilt nach Ende der Amtszeit für weitere zwölf Monate.
AuszubildenderGilt nach der Probezeit bis zum Ende der Ausbildung.

Dieser Sonderkündigungsschutz gilt unabhängig vom allgemeinen Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz. Das Kündigungsschutzgesetz muss jedoch auf Sie anwendbar sein. Voraussetzungen dafür sind:

  • Sie sind bereits seit mehr als sechs Monaten ohne Unterbrechung im selben Betrieb oder Unternehmen beschäftigt.
  • In Ihrem Betrieb arbeiten regelmäßig 10 oder mehr Arbeitnehmer. Teilzeitbeschäftigte mit maximal 20 Arbeitsstunden pro Woche zählen dabei als 0,5 Arbeitnehmer. Mitarbeiter mit maximal 30 Wochenarbeitsstunden werden als 0,75 Arbeitnehmer berücksichtigt.

Warum ist eine Kündigungsschutzklage wichtig?

Sie müssen innerhalb von drei Wochen, nachdem Sie die Kündigung erhalten haben, eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. Andernfalls gilt die Kündigung von Anfang an als wirksam, selbst wenn dies vielleicht gar nicht der Wahrheit entsprochen hat. Das sollten Sie unbedingt verhindern.

Mit einer Kündigungsschutzklage erhalten Sie die Chance auf eine gute Abfindung. Selbst wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen bereits eine Abfindung angeboten hat, können Sie mit einer Kündigungsschutzklage noch mehr erhalten. Diese Chance sollten Sie nutzen.

Infolge der Kündigungsschutzklage kommt es zu einem Kündigungsschutzprozess. In diesem prüft das Arbeitsgericht die Wirksamkeit der Kündigung vor allem nach den auf dieser Seite dargestellten Maßstäben.

Anteil der Mitarbeiter, die gegen ihre Entlassung geklagt haben nach Betriebsgröße (Quelle: Statista 2016)

Was Sie sonst noch wissen sollten

Arbeitssuchend meldenNach Erhalt Ihrer Kündigung müssen Sie sich innerhalb von drei Arbeitstagen bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden, sofern das Arbeitsverhältnis in weniger als drei Monaten endet. Ansonsten kann die Arbeitsagentur bis zu 12 Wochen den Bezug von Arbeitslosengeld sperren. Das Kündigungsschreiben müssen Sie mit zur Arbeitsagentur nehmen.
Kündigung zurückweisenHaben Sie die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses erhalten, können Sie diese zurückzuweisen. Das ist dann möglich, wenn Ihnen eine nicht zur Kündigung berechtigte Person gekündigt hat. Weisen Sie die Kündigung so schnell wie möglich zurück.
Kündigungsschutzklage erhebenSie müssen eine Kündigungsschutzklage erheben, um die Wirksamkeit des Kündigungsschreibens gerichtlich überprüfen zu lassen. Die Klageschrift muss innerhalb von drei Wochen ab Zugang der Kündigung beim zuständigen Arbeitsgericht eingereicht werden. Hat die Kündigungsschutzklage vor Gericht Erfolg, ist Ihre Kündigung unwirksam. Ihr Arbeitgeber muss Sie dann weiterbeschäftigen.
Aufhebungsvertrag ablehnenMittels eines Aufhebungsvertrags einigen Sie sich mit Ihrem Arbeitnehmer einvernehmlich auf das Ende Ihres Arbeitsverhältnisses. Dieser Vertrag enthält Regelungen z. B. bezüglich Ihrer Freistellung und einer für Sie vorgesehenen Abfindungszahlung. Nehmen Sie sich als Arbeitnehmer Zeit, bevor Sie diesen Vertrag unterschreiben, denn er lässt sich später kaum rückgängig machen.
Offene Ansprüche einfordernMachen Sie nach Erhalt der Kündigung noch bestehende Ansprüche aus Ihrem Arbeitsverhältnis gegenüber dem Arbeitgeber geltend. Das betrifft insbesondere offene Lohnzahlungen oder noch ausstehende unbezahlte Überstunden.
Kündigung Wirksamkeit prüfen

Kündigung jetzt prüfen

Die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses müssen Sie nicht einfach so hinnehmen.

Prüfen Sie jetzt Ihre Kündigung
Von
Katharina Kästel
anwalt.de-Redaktion