Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Der Standort konnte nicht bestimmt werden.
Der Standort konnte nicht bestimmt werden.

Urlaub und Krankheit beim Minijob – Ihre Rechte

  • 4 Minuten Lesezeit

Sehr oft werde ich gefragt, ob ein Urlaubsanspruch auch im Rahmen eines Minijobs (450,00 €) besteht. Ob der Arbeitgeber also Urlaub gewähren und während des Urlaubs auch Gehalt weiterzahlen muss. Dies geht meist mit der Frage einher, ob Minijobber einen Anspruch auf Gehalt haben, wenn sie krank sind. So wurde mir zuletzt mitgeteilt, dass eine Minijobberin in einem Getränkemarkt seitens des Arbeitgebers harsch darauf verwiesen wurde, dass im Rahmen eines Minijobs nur die Zeiten gezahlt werden, in denen auch gearbeitet wird. Bei Krankheit oder Urlaub gäbe es eben nichts. 

Tatsächlich hält sich diese irrtümliche Auffassung noch hartnäckig in den Köpfen von Arbeitgebern. Viele Minijobber finden sich auch damit ab – meist aus Angst davor, den Minijob zu verlieren oder weniger eingesetzt zu werden. Das ist aber nicht notwendig. Denn das Gesetz spricht eine klare Sprache – die Fälle sind eindeutig geregelt.

I.

Nach § 3 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz (BurlG) hat jeder Arbeitnehmer, also auch ein Minijobber, einen Mindestanspruch auf 24 Werktage bezahlten Urlaub bei einer 6-Tage Woche. Dieser Anspruch ist auch nicht abdingbar. Das bedeutet, eine vertragliche Regelung, nachdem der Arbeitnehmer – also auch der Minijobber – keinen Anspruch auf Urlaub hat, ist unwirksam. 

Wenn Sie im Rahmen Ihres Minijobs von Montag bis Samstag jeden Tag eine Stunde arbeiten, haben Sie also einen Anspruch auf 4 Wochen Urlaub – also Zeit, in der Sie nicht arbeiten, Ihr Arbeitgeber Ihnen aber trotzdem Gehalt bezahlen muss.

Wenn Sie an nur 5 Tagen in der Woche arbeiten z. B. Montag bis Freitag, haben Sie nur einen Anspruch auf 20 Tage. Das entspricht aber auch 4 Wochen. Denn die Samstage sind in diesem Modell ohnehin frei. 

Wenn Sie nur 4 Tage arbeiten, haben Sie dementsprechend einen Anspruch auf 16 Urlaubstage, bei 2 Arbeitstagen in der Woche, z. B. montags und mittwochs, noch 8 Tage usw. Im Ergebnis müssen Sie immer – zusammengerechnet – 4 Wochen frei haben und dabei genau so viel Geld bekommen, als würden Sie arbeiten.

Etwas schwieriger wird es, wenn Sie unregelmäßige Arbeitszeiten haben. Also in manchen Wochen mehr arbeiten und in anderen Wochen weniger. Hier ist auf den Jahresdurchschnitt abzustellen. Es muss also ermittelt werden, wie viele Tage sie in den letzten Monaten durchschnittlich pro Woche gearbeitet haben. Danach ist dann der Urlaub zu berechnen.

In jedem Fall aber haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub – also auf freie Zeit, die wie Arbeit bezahlt wird. Wenn Sie sich unsicher sind, wie hoch Ihr Urlaubsanspruch ist, kontaktieren Sie mich gerne; ich helfe Ihnen weiter. 

II.

Auch Feiertage müssen bezahlt werden– zumindest dann, wenn sonst Sie an diesen Tagen gearbeitet hätten. § 2 des Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) sagt deutlich: „Für Arbeitszeit, die infolge eines gesetzlichen Feiertags ausfällt, hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt zu zahlen, das er ohne den Arbeitsausfall erhalten hätte.“ 

Wenn Sie also jeden Montag und jeden Mittwoch arbeiten und der Montag ein Feiertag ist, müssen Sie an diesem Montag bezahlt werden. Wäre der Feiertag in diesem Beispiel ein Dienstag, hätten Sie hingegen keinen Anspruch. 

Auch hier kommt es immer wieder zu Problemen, da Arbeitgeber der Auffassung sind, Minijobber an Feiertagen nicht bezahlen zu müssen. Sollten Sie mit diesem Problem konfrontiert werden, rufen Sie mich an – ich verhelfe Ihnen zu Ihrem Recht.

III.

Auch im Krankheitsfall steht der Minijobber dem in Vollzeit Angestellten gleich. Und zwar ohne Einschränkungen. § 3 des EFZG sagt: „Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleitung verhindert, ohne dass ihm ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.“

Wenn Sie also krank sind, muss Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiterzahlen. Und das sechs Wochen lang. Ein Verweis darauf, dass es bei einem Minijob nur Geld gibt, wenn gearbeitet wird, ist illegal. 

Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat. Diese Fälle sind aber in der Praxis selten. Eine solche Ausnahme kann vorliegen, wenn der Arbeitnehmer sich bei einer nicht genehmigten Schwarzarbeit verletzt oder sich absichtlich selbst verletzt. Im Übrigen wird das Selbstverschulden nur sehr schwer zu belegen sein.

Halten wir also fest: Sie haben Anspruch auf Gehalt, auch wenn Sie krank sind, wenn Sie Urlaub haben und bei Feiertagen. Sofern Ihr Arbeitgeber Ihnen Ihren Lohn für solche Zeiten vorenthält, kontaktieren Sie mich noch heute.

Übrigens: Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bei Urlaub und an Feiertagen ist bis zu drei Jahren rückwirkend durchsetzbar. Gerne prüfe ich für Sie, ob ich für Sie Gehaltszahlungen der letzten drei Jahre durchsetzen kann – auch wenn das Arbeitsverhältnis schon beendet ist. Kontaktieren Sie mich noch heute.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Artikel teilen:


Sie haben Fragen? Jetzt Kontakt aufnehmen!

Weitere Rechtstipps von Rechtsanwalt Alexander Pleh

Viele Großeltern haben eine starke Bindung zu ihren Enkeln und auch regelmäßigen Kontakt mit ihnen. Etliche Großeltern sind sogar fester Bestandteil des Alltags von Enkelkindern. Da verwundert es ... Weiterlesen
Nach einer Trennung bzw. nach einer Scheidung ist ein Punkt, über den Ex-Ehepartner häufig streiten, die ehemals gemeinsame Wohnung: wer darf in der Wohnung wohnen bleiben? Wer muss ausziehen? Und ... Weiterlesen
Die Corona-Pandemie hat Eltern und Kinder vor viele Herausforderungen gestellt. Das gilt vor allem für getrenntlebende Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht für ein gemeinsames Kind bzw. gemeinsame ... Weiterlesen

Beiträge zum Thema

27.04.2022
Endlich ist es geschafft! Die Schule ist abgeschlossen, man hat das Abschlusszeugnis in der Tasche und einen ... Weiterlesen
19.07.2022
Minijobber werden oftmals anders behandelt als Vollzeitbeschäftigte. Ob beim Minijob tatsächlich rechtliche ... Weiterlesen
15.06.2022
Sie möchten einen Minijob annehmen oder vergeben und fragen sich: Welche Abgaben werden bei einem Minijob fällig? ... Weiterlesen